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Noriega soll büßen

Am Ende war der einst gefürchtete mächtigste Mann Mittelamerikas nur noch ein Fotomotiv für die Touristen. Ein gewöhnlicher Linienflug brachte am Sonntag Ex-Diktator Manuel Antonio Noriega zurück in seine Heimat, zufällig anwesende Touristen knipsten mit ihren Kameras die Szene und verliehen der Rückkehr so einen bizarren Charakter. Nach mehr als 20 Jahren in Gefängnissen im Ausland wegen Drogenhandels und Geldwäsche ist der frühere Machthaber Panamas am Sonntag in seine Heimat ausgeliefert worden. Unmittelbar nach seiner Ankunft wurde Noriega in das Gefängnis "El Renacer" gebracht. In Panama warten auf den Ex-Diktator nun 60 Jahre Haft wegen des Vorwurfes des Mordes an einem politischen Gegner. Noriega bestreitet die Tat und will seine Unschuld beweisen.

Die katholische Kirche in Panama hat nach seiner Auslieferung "Reue und Buße" von Noriega gefordert. Der ehemalige starke Mann des mittelamerikanischen Staates müsse für den Schaden, den er angerichtet habe, einstehen, forderte der Erzbischof Jose Domingo Ulloa im TV-Sender Canal 13. "Die Familien der zahlreichen Opfer haben ein Recht zu wissen, wo ihre verschwundenen Angehörigen sind", sagte der Oberhirte von Panama-Stadt. Der große Dienst, den der Ex-General jetzt noch leisten könne, sei, die ganze Wahrheit zu sagen.

Heute ein gebrochener Mann

Aus dem einst gefürchteten Diktator Panamas, der auf den Titel Präsident verzichtet und als "Chef der Nationalgarde" regierte, ist längst ein gebrochener Mann geworden. Der 77-Jährige wirkt heute wie ein Relikt aus vergangener Zeit. In den Zeiten des kalten Krieges stand der General mit dem markanten Narbengesicht auf der Seite der USA. Damals, als die Welt noch in Gut und Böse aufgeteilt war, reichte die Unterstützung einer der beiden Supermächte, um trotz krimineller Machenschaften unter Schutz zu stehen.

Doch die Zeiten, in denen Noriega Angst und Schrecken verbreitete, sind lange vorbei. Inzwischen ist der mächtige Mann Mittelamerikas nur noch ein gewöhnlicher Häftling, der in Panama - laut Regierungsangaben - keinerlei Nachsicht zu erwarten hat. "Alles, was Manuel Antonio Noriega noch besitzt, ist ein Schatz voller Geheimnisse über die Mächtigen und Reichen dieses Landes", kommentierte ein Radioreporter in Panama-Stadt die Rückkehr Noriegas.

Büßen für Folter, Mord und Korruption

In Panama war Noriega in den 90er Jahren in Abwesenheit wegen Ermordung eines politischen Gegners zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Er selbst bestreitet die Vorwürfe und bestand stets auf eine Auslieferung in seine Heimat. Dort hatte sein Stern am 20. Dezember 1989 zu sinken begonnen: Damals starteten die USA eine Invasion in Panama, die schließlich die Diktatur beendete.

Mitte der 1980er Jahre hatten US-Medien enthüllt, dass Noriega auf der Gehaltsliste der CIA stand. Noriega half den USA, Waffen über Panama an die Contra-Rebellen in Nicaragua zu liefern. Im Gegenzug konnte der General ungehindert Geschäfte mit dem kolumbianischen Kokain-Kartell aus Medellín machen, das Panama als Durchgangsstation für den Schmuggel in die USA nutzte. Noriega stellte sich am 3. Januar 1990 den US-Invasionstruppen. Zuvor war elf Tage lang ungebetener Gast in der Nuntiatur des Heiligen Stuhls in Panama-Stadt.

Noriega werden zahlreiche Verbrechen vorgeworfen. Seine Ankläger bezichtigen ihn neben Geldwäsche und Verstrickung in den Drogenhandel auch schwerer Menschenrechtsverbrechen: Folter, Mord und Korruption hätten ihn überhaupt erst an die Macht gebracht. Dafür soll er jetzt büßen.

Autor: Tobias Käufer, KNA