Bolivien, Chile |

Neue Runde im Streit um Meereszugang für Bolivien

Chile werde Bolivien kein Land für einen Meereszugang zurückgeben. Dies erklärte der chilenische Präsident Sebastián Piñera am 24. Mai gegenüber der Nachrichtenagentur EFE. Demgegenüber konstatierte der bolivianische Präsident Evo Morales, dass er die Angelegenheit vor internationalen Gremien weiterverhandeln wolle, da die 2006 mit der Regierung Bachelet begonnenen bilateralen Gespräche keine Fortschritte gebracht hätten.

Bolivien hatte seien Zugang zum Pazifik in Folge des Salpeterkrieges (1879-1884) verloren. In einem 1904 unterzeichneten Friedensabkommen trat Bolivien 400 Kilometer Meereszugang an Chile ab. Der Streit um die Gültigkeit dieses Friedensvertrages belastet seither die Beziehungen zwischen beiden Ländern. Seit 1962 unterhalten Bolivien und Chile keine diplomatischen Beziehungen mehr. Lediglich im kurzen Zeitraum von 1975-1978, als beide Länder auf diplomatischem Wege nach einer Lösung für das Problem suchten, bestanden diplomatische Beziehungen.

Chile beharrt auf Friedensvertrag

Laut Piñera könne man keinen Vertrag in Frage stellen, der bereits mehr als 100 Jahre gegolten haben. Der Vertrag "hat uns 106 Jahre Frieden beschert", so der chilenische Präsident, der bei Aufkündigung des Vertrages Frieden und Stabilität“ in Frage gestellt sieht. Trotz des Problems werde Chile den Dialog über andere bilaterale Interessen weiterführen, erklärte Piñera und bat um den Respekt Boliviens gegenüber nationalen und internationalen Vereinbarungen.

Auch Boliviens Präsident Morales unterstrich, dass bilaterale Gespräche mit Chile fortgeführt würden. Er erklärte jedoch, dass nun der Moment gekommen sei, in dem Bolivien die Unterstützung der internationale Gemeinschaft suche, um die “enorme Wunde, die wir Bolivianer durch das Eingeschlossensein aufgrund historischer Vereinbarungen” mit uns tragen, durch ein gerechtes Urteil, zu heilen.

Bolivien will internationale Gremien einschalten

Morales kündigte außerdem an, für die Anrufung internationaler Gremien extra eine Ministerialabteilung “Rückforderung des Meereszugangs" zu schaffen.

Peru, das als dritte Nation am Salpeterkrieg teilnahm und den Krieg ebenfalls verlor, hatte bereits 2008 eine Klage vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag eingereicht und gefordert, dass die Grenzziehung zwischen Peru und Chile korrigiert werde. Peru und Bolivien hatten sich vor dem Krieg per Geheimvertrag gegen Chile verbündet. (bh)

Quelle: Adital (mit Informationen von Carta Capital, EFE und taringa.net)

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