Argentinien |

Nachruf auf Facundo Cabral

Er war einer der erfolgreichsten argentinischen Sänger und wurde während der Militärdiktatur zur Stimme des Widerstands. Facundo Cabral ist am vergangenen Wochenende in Guatemala- Stadt ermordet worden. Sein Tod löste eine Welle der Trauer in der spanischsprachigen Welt aus.

Erst vor kurzem hatte der 74-jährige argentinische Volkssänger und Liedermacher in einem Interview gesagt, er hätte keine Angst in Länder zu reisen, die von Gewalt gebeutelt sind. Er sei voller Liebe und aus diesem Grund nicht ängstlich, lautete seine Erklärung.

Auf dem Weg zum Flughafen erschossen

Cabral war am Morgen des 09. Juli gemeinsam mit seinem Konzertveranstalter Henry Fariña auf dem Weg zum Flughafen in Guatemala-Stadt, als das Auto in einen Hinterhalt geriet und beschossen wurde. Der Künstler, der zwei Tage zuvor noch ein Konzert in Quetzaltenango gegeben hatte, erlag seinen Schussverletzungen während Fariña schwer verletzt überlebte. Der guatemaltekische Präsident Àlvaro Colom äußerte im Anschluss an die Tat die Vermutung, dass die Kugeln dem nicaraguanischen Unternehmer Fariña gegolten hätten und nicht Facundo Cabral.

Cabrals Lebensgeschichte liest sich ein wenig wie ein modernes Märchen. Am 22. Mai 1937 geboren, wuchs der Argentinier in sehr armen Verhältnissen in La Plata auf. Da er als Jugendlicher auf die schiefe Bahn geriet, musste er eine mehrjährige Gefängnisstrafe absitzen. Erst dort brachte ihm ein jesuitischer Priester das Lesen und Schreiben bei. Im Anschluss lebte er vom Musizieren auf der Straße bis er mit „No soy de aquí, ni soy de allá“ 1970 seinen ersten großen Hit landete.

Weltweiter Botschafter für Frieden

Das Lied war der Beginn einer steilen Karriere. Cabral trat insgesamt in mehr als 150 Ländern vor zehntausenden von Menschen auf. Seine Songs waren häufig sozialkritisch. Er trug so auch zur Politisierung des Alltags in Lateinamerika bei. Als die Militärs 1976 in seinem Heimatland die Macht ergriffen, floh er nach Mexiko. Dort lebte er acht Jahre und wurde die Stimme des argentinischen Widerstands gegen die Diktatur. Seine Auftritte machte er zur Kampagne für den Frieden. Der Sänger kehrte erst nach der Herrschaft des Militärs im Jahr 1984 nach Argentinien zurück. 1996 ernannten ihn die Vereinten Nationen zum weltweiten Botschafter für Frieden.

Aber Cabral musste in seinem Leben auch immer wieder Rückschläge verkraften. 1978 kamen seine Ehefrau und seine kleine Tochter bei einem Flugzeugabsturz um. Er verlor nach und nach sein Augenlicht, bis er am Ende nahezu vollkommen blind war. Der Argentinier war außerdem an Krebs erkrankt, den er aber besiegen konnte. Nichts hat ihn allerdings davon abgehalten, auf der Bühne zu stehen.

Trauer in ganz Lateinamerika

Der Tod des Künstlers löste in ganz Lateinamerika eine Welle der Trauer aus. Der Regierungschef Guatemalas, Colom, verhängte drei Tage Staatstrauer und versprach, die Tat so schnelle wie möglich und umfassend aufzuklären. Der Präsident Ecuadors schrieb, dass das Verbrechen den „Sänger der Armen“ und den „Kritiker der Diktaturen“ unsterblich machen würde. Oscar Julio Vian Morales, Erzbischof von Guatemala, äußerte seine Ablehnung gegenüber der weit verbreiteten Gewalt. El Salvadors Erzbischof José Luis Escobar sagte über den Mord an Cabral, es sei „ein Verbrechen, das die Welt bewegt“.

Autorin: Anna-Maria Jeske