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MOMA honoriert soziale Stadtplanung in Caracas

Das weltbekannte Museum of Modern Art (MOMA) in New York hat die Anfang des Jahres eingeweihte Seilbahn MetroCable in Venezuelas Hautpstadt Caracas in seine Ausstellung »Small Scale, Big Change: New Architectures of Social Engagement« aufgenommen. Der Überblick zeigt zeitgenössische Architektur und Stadtplanung rund um den Globus, die sich die Verbesserung der Lebensumstände in Slums und Armenvierteln auf die Fahnen schreibt und mittels Design zur Stärkung der dort lebenden Gemeinschaften beiträgt.

Die knallig rote MetroCable ist zum beliebten Verkehrsmittel in San Agustín geworden, einem der ältesten und zugleich ärmsten Stadtteile der Fünf-Millionen-Metropole Caracas. Die Regierung kostete der Bau über 262 Millionen US-Dollar, verwendet wurde Technologie aus österreich, Frankreich und Brasilien. Über 36 000 Fahrgäste täglich zählt die vom städtischen U-Bahnunternehmen Caracas Metro betriebene Seilbahn mit seinen 50 Gondeln, die von 6.00 bis 22.00 Uhr fährt, wobei eine Rundfahrt nur 50 Bolivars (10 Cent) kostet. Die rot lackierten Abteile mit Klimaanlage tragen in weit lesbaren, weißen Lettern Schlagworte wie »Partizipation«, »Soziale Ethik« und »Opferbereitschaft«. Der Gemeinschaft der Armenviertel soll in ihrem Selbstbewusstsein der Zusammengehörigkeit gestärkt werden.

Das läuft nicht nur über Symbolik. Es sind die afro-venezolanischen Bewohner von San Agustín, die am Bau und beim Betrieb von MetroCable direkt beteiligt wurden. Nach einer zweijährigen Ausbildung sind es Männer und Frauen aus dem historisch vernachlässigten Armenviertel mit seiner hohen Kriminalitätsrate, welche die Gondeln steuern. »Die Idee ist, dass die Gemeinschaft MetroCable nicht nur nutzt, sondern als ihr Eigentum betrachtet. Sie haben sie gebaut, sie betreiben und nutzen sie, also werden sie auch auf sie aufpassen«, erklärte Victor Matute, Chef von Caracas Metro bei der Einweihung im Januar.

Die MOMA-Ausstellung läuft vom 3. Oktober bis zum 3. Januar 2011. (bb)