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Migrantinnen von Wirtschaftskrise besonders betroffen

In den Industrieländern arbeitende Frauen aus Mexiko und Mittelamerika haben die Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise deutlich zu spüren bekommen. Viele Migrantinnen verloren ihr Arbeit und kehrten in ihre Heimatländer zurück - mit Auswirkungen auch auf die Volkswirtschaften ihrer Länder. Dies fand eineStudie des „International Gender and Trade Network“ (IGTN) heraus.

Der IGTN-Bericht wurde Anfang März am Sitz der Vereinten Nationen in New York im Rahmen der 55. Sitzung der UN-Kommission für die juristische und soziale Lage der Frau vorgestellt. In der Studie heißt es, besonders Frauen seien stark davon betroffen gewesen, dass Investitionen in andere Regionen der Welt als in die entwickelten Länder geflossen seien. Die sich dort ausbreitende Arbeitslosigkeit habe dazu geführt, dass viele lateinamerikanische Migrantinnen dazu gezwungen gewesen seien, in ihre Heimatländer zurückzukehren. Folglich sei das Einkommen der Familien der Frauen gesunken, das sich auf Geldsendungen aus dem Ausland stütze. Dies habe sich auch generell auf die Volkswirtschaften der Länder Mittelamerikas und der Karibik ausgewirkt.

Geldsendungen in die Heimat sinken

Bis zum dritten Quartal 2009 gingen die Geldsendungen in Länder wie El Salvador oder Guatemala im Jahresvergleich um rund 10 Prozent zurück. Von Oktober 2008 bis Oktober 2009 sanken sie in Mexiko um 16 Prozent. Die Leidtragenden waren besonders die ärmsten, von Frauen geführten Haushalte, was deutliche Einschränkungen bei Ernährung, Kleidung, Bildung und Gesundheit zur Folge hatte. Die ärmsten Frauen sind zugleich jene, die es am schwersten haben, eine Beschäftigung zu finden.

Förderung von Familien-Landwirtschaft

Die Staaten Mittelamerikas haben Hilfsmaßnahmen eingeleitet, um den konjunkturellen Auswirkungen zumindest teilweise entgegenzusteuern. Der gesellschaftliche Ausschluss von Frauen infolge ihrer Verwundbarkeit bleibt allerdings ein Problem, das verstärkte Anstrengungen erforderlich macht. Die UN-Studie plädiert dafür, die Familien-Landwirtschaft in den indigenen Gemeinden zu fördern und sie an den lokalen Märkten teilhaben zu lassen.

Frauenanteil unter Migranten verdreifacht

Allen Widrigkeiten zum Trotz suchen Frauen aus Mittelamerika und Mexiko ihr Glück in zunehmendem Maße in den USA. Eine Untersuchung ergab kürzlich, dass rund 45 Prozent der Migranten, die im nördlichen Nachbarland arbeiten, Frauen sind. Betrug der Anteil im vergangenen Jahrzehnt nur 15 Prozent, so war er im Jahr 2000 bereits auf 35 Prozent geklettert. Die Verdreifachung des Frauenanteils innerhalb von 20 Jahren erklärt der mexikanische Bevölkerungsforscher Juan Gabino González Becerril nicht mit der Befreiung und dem wachsendem Selbstbewusstsein der Frauen, sondern mit dem schlichten Mangel an Arbeitsmöglichkeiten im eigenen Land. Mexikanische Migrantinnen sind in den USA überwiegend als Kindermädchen und in der Pflege älterer Menschen tätig. (bs)

Quellen: Adital und Diarioportal