Kolumbien |

Menschenrechtler warnen vor Auslöschung der Awa-Indígenas

Die Monitoringstelle für Indigene Rechte in Kolumbien und Vereinigung der Awa-Indígenas (UNIPA) warnen in einem vorgestern in Barcelona präsentierten Bericht vor der kulturellen und physischen Auslöschung des Awa-Volkes. Grund hierfür sei der bewaffnete Konflikt im Land. In Kolumbien leben ca. 25.000 Awa in den südwestlichen Departments Nariño y Putumayo. Ein Teil kleinerer Teil dieses Volkes lebt in Ecuador.

In dem auch an den UN-Sonderbotschafter für Indigene Rechte, James Anaya sowie den Internationalen Strafgerichtshof gerichteten Bericht heißt es: „Es ist offensichtlich, dass es mehr als ausreichend Gründe gibt, um ein S.O.S an die UNO und den Internationalen Strafgerichtshof zu senden: Das kolumbianische Verfassungsgericht hat mehrfach wiederholt, dass ,angesichts der Situation der Awa-Gemeinschaft sofortige Maßnahmen zu deren Schutz erforderlich sind“.

Kolumbien ignoriert Auflagen internationaler Institutionen

Die Autoren fordern die Vertreter der internationalen Gremien auf, Druck auf die kolumbianische Regierung auszuüben, „die wiederholt der Pflicht, das Volk der Awa zu schützen, nicht nachgekommen ist“, heißt es in dem Papier. Das ständige Forum für Indigene Angelegenheiten der UNO hatte vor einem Genozid an den Awa-Indígenas gewarnt und die Interamerikanische Menschenrechtskommission (CIDH) am 16. März 2011 Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz der Awa angeordnet, so die Nachrichtenagentur Servindi.

Das an Bodenschätzen und Naturressourcen reiche Territorium der Awa mit einer Größe von 210.000 Hektar ist stark vom bewaffneten Konflikt betroffen. Die Indígenas seien der Gewalt von Paramilitärs, Mafia und Goldsuchern ausgesetzt sind, von denen sie bedroht und gegebenenfalls auch vertrieben werden, kritisieren Menschenrechtsorganisationen. Die Gewalt habe in den letzten Jahren auch wegen der Zunahme des illegalen Koka-Anbaus und der illegalen Goldsuche weiter zugenommen.

Allein zwischen November 2010 und Mai 2012 wurden 9 Morde, 2 Tote durch Landminen, 3 Vergewaltigungen und 7 Fälle von gewaltsamem Verschwinden lassen registriert. Derartige Fälle führen oft zur Vertreibung ganzer Gemeinden. Das kolumbianische Verfassungsgericht hatte 2011 einen Plan für Sofortmaßnahmen zum Schutz der Indígenas angeordnet. Dieser ist nach Ansicht der Autoren des Berichts jedoch bisher völlig wirkungslos geblieben. (bh)