Kolumbien |

Menschenrechte oder Wirtschaftsabkommen?

Brüssel. Sozialisten im Europaparlament sowie kolumbianische Gewerkschafter und Menschenrechtler haben verlangt, die Verhandlungen über ein EU-Freihandelsabkommen mit Kolumbien auszusetzen. Der britische Labour-Abgeordnete Richard Howitt sagte am Mittwoch in Brüssel, die USA, Kanada und Norwegen hätten wegen der schlechten Menschenrechtslage in dem lateinamerikanischen Land die Ratifizierung entsprechender Abkommen auf Eis gelegt.

Die EU machte sich international unglaubwürdig, wenn sie einem Handelsabkommen den Vorrang mit den Menschenrechten gäbe, so Howitt. Zudem würde sie die Regierung in Bogota ermutigen, mit den Menschenrechtsverstößen fortzufahren. Die Ermordung und das Verschwindenlassen von Gewerkschaftern und Menschenrechtlern seien in Kolumbien an der Tagesordnung. Es sei offenkundig, dass Regierungskreise daran beteiligt seien.

Die kolumbianische Menschenrechts-Aktivistin Yessika Hoyos erklärte, allein in den vergangenen sieben Jahren seien in ihrer Heimat rund 500 Gewerkschafter ermordet worden. Rund 90 Prozent der Täter gingen straffrei aus. Der Oppositionspolitiker und Senator Jorge Robledo unterstrich, Kolumbien sei für Gewerkschafter "der gefährlichste Ort auf der Welt".

Quelle: kna