El Salvador |

Mehr Wettbewerb im Pharmasektor geplant

In El Salvador versucht die Regierung den Pharmamarkt zu liberalisieren, um die Medikamentenpreise im Lande zu drücken – gegen den erbitterten Widerstand der Oppositionsparteien, allen voran der rechten Arena. Diese wollen durch eine Reform des Gesundheitsgesetzes erreichen, dass das zuständige Ministerium und die Sozialversicherungsbehörde ausschließlich auf Arzneien zurückgreifen dürfen, die im Lande selbst registriert wurden.

Im Oktober hatte das Gesundheitsministerium sowohl nationale als auch internationale Pharmaunternehmen dazu aufgerufen, an einer Medikamentenausschreibug teilzunehmen. Neu an dem Vorstoß war, dass die angebotenen Präparate nicht unbedingt beim Obersten Rat für öffentliche Gesundheit (CSSP) gemeldet sein mussten. In Zukunft soll ein Handelszertifikat der Weltgesundheitsorganisation (WHO) reichen.

Bisher war es Sache des CSSP, über Verwendung und Kommerzialisierung von Arzneien in El Salvador zu entscheiden. Doch die Regierung von Staatspräsident Mauricio Funes und Gesundheitsaktivisten beschuldigen die Behörde, unter dem Einfluss der Pharmaindustrie zu stehen und die Anerkennung ihrer Produkte durch Manipulationen bei den Qualitätskontrollen zu erreichen.

Beste Verbindungen

Die Vorwürfe sind in Anbetracht der personellen Zusammensetzung des Obersten Rates nicht von der Hand zu weisen. So einer der stellvertretende CSSP-Führungskader, Juan Ernesto Machón, Sohn des Eigentümers des salvadorianischen Arzneimittelherstellers ´ Pharmator´.

Ein weiterer Vize, Carlos Felipe Álvarez, ist Qualitätskontroller bei den Vijosa-Laboratorien, die von Víctor Jorge Saca geführt werden. Saca wiederum ist Onkel des ehemaligen Staatspräsidenten Elías Antonio Saca (2004-2009), der für die Arena im Amt war. Die größte Medikamentenimport- und –handelsfirma ´Droguería Santa Lucía´ gehört dem Arena-Vorsitzenden und Ex-Präsidenten Alfredo Cristiani (1989-1994).

Der private Medikamentenmarkt bewegt in El Salvador nach Angaben der Vereinigung der Chemisch-Pharmazeutischen Industrien El Salvadors (Inquifar) rund 190 Millionen Dollar. 87 Prozent der Produkte stammen aus den Laboratorien internationaler Pharmakonzerne, die ihre Produkte beim CSSP registrieren ließen. Der öffentliche Markt ist rund 23 Millionen Dollar schwer und wird jeweils zur Hälfte von ausländischen und inländischen Unternehmen beliefert. Etwa 66 Prozent der Bevölkerung beziehen ihre Medikamente über staatliche Gesundheitszentren.

Kritik von lokaler Pharmaindustrie

Nach Ansicht der Inquifar-Geschäftsführerin Carmen Estela Pérez verstoßen die Pläne der Regierungen gegen Verfassungsprinzipien. So müssten pharmazeutische Produkte, die in El Salvador vermarktet werden, nach geltendem Recht lokal gemeldet sein. Außerdem seien die bewilligten Produkte extra für die jeweiligen Klimazonen entwickelt worden. "Wir sehen in dem Regierungsvorhaben vor allem eine Kampagne gegen die lokale Pharmaindustrie", sagte sie.

Widerstand leistet die Opposition auch gegen ein Gesetz, das die Medikamentenkontrolle in den Zuständigkeitsbereich des Gesundheitsministeriums verlegen will. Durch das Gesetz, das von den Abgeordneten der Oppositionsparteien seit Februar blockiert wird, soll die Preiskontrolle durch die Pharmaindustrie gebrochen werden. Laut WHO dürfen Medikamentenpreise nur um das Fünffache über den Herstellungskosten liegen, doch sind sie in El Salvador um das 52,2-Fache höher.

Autor: Edgardo Ayala, Quelle: IPS Weltblick