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Mehr Frauen im neuen Kabinett

Rousseff will ein Drittel der Sitze mit Frauen besetzen.

Brasiliens künftige Präsidentin Dilma Roussef hat angekündigt, ein Drittel ihres Kabinetts mit Frauen zu besetzen. Bisher liegt der Anteil bei einem Achtel. Politische Beobachter sehen in dem Vorstoß ein Zeichen dafür, dass es das erste weibliche Staatsoberhaupt des südamerikanischen Landes mit den Rechten der Frau besonders genau nehmen wird.

Teresa Sacchet vom Forschungszentrum für Staatspolitik an der Universität von São Paulo geht davon aus, dass die Gleichberechtigung der Frau unter der künftigen Regierung einen hohen Stellenwert einnehmen wird. "Dilmas Geste ist von hoher Symbolkraft", betonte auch Beatriz Galli von der Brasilien-Sektion des weltweiten Frauennetzwerks IPAS. "Denn bisher lässt die politische Partizipation von Frauen stark zu wünschen übrig."

Nach Ansicht der lokalen Medien wird es schwierig werden, die erforderlichen Ministerinnen zu finden. So seien bereits Abgeordnete angesprochen worden, doch wollten die Koalitionsparteien auf ihre wenigen Quotenfrauen im Zweikammerparlament nicht verzichten.

Parteien bremsen

Das Problem sind die Parteien selbst. Sie haben es bisher versäumt, genügend Kandidatinnen für einen Sitz im Parlament aufzustellen. Von dem gesetzlich vorgeschriebenen Frauenanteil von 30 Prozent sind sie trotz einiger Fortschritte noch immer weit entfernt. Kandidierten 1994 ganze 6,4 Prozent für einen Sitz im Landesparlament, waren es im Oktober immerhin schon 12,9 Prozent.

Im Vergleich zu den anderen beiden südamerikanischen Staaten, in denen Frauen an der Macht sind, schneidet Brasilien mit einem solchen Frauenanteil schlecht ab. In Costa Rica mit Laura Chinchilla und in Argentinien mit Cristina Fernández an der der Spitze des Staates besetzen Frauen 38,6 Prozent respektive 38,5 Prozent der Parlamentssitze.

Brasiliens Parteien rechtfertigen das schlechtere Abschneiden mit einem Mangel politisch aktiver Frauen. Doch die Politikwissenschaftlerin Sacchet, die sich mit dem Thema wissenschaftlich auseinandergesetzt hat, führt das Frauendefizit vor alle auf institutionelle und politische Hürden zurück.

Das Problem fange damit an, dass die Parteien ihre wenigen Vorzeigefrauen weder politisch noch finanziell angemessen unterstützten, monierte die Wissenschaftlerin. Dabei gebe in Brasilien nachgewiesenermaßen einen Zusammenhang zwischen der Höhe der Wahlkampffinanzierung und dem Wahlsieg. (IPS)