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Massaker von Acteal: 15 Täter freigelassen

Das Menschenrechtszentrum Fray Bartolomé de Las Casas (Frayba) aus dem südmexikanischen Bundesstaat Chiapas hat die Freilassung von 15 Personen, die am Massaker von Acteal 1997 beteiligt waren, scharf kritisiert. Die Angeklagten seien von Zeugen und Überlebenden des Massakers als Täter identifiziert worden, unterstrich Frayba in einer am 21. Oktober veröffentlichten Erklärung. Bereits im vergangen Jahr waren 29 verurteilte Paramilitärs auf freien Fuß gesetzt worden.

Zeugen und Opfer ungeschützt

Bei der als „Massaker von Acteal“ bezeichneten Gräueltat waren im Dezember 1997 in der Gemeinde Chenalhó (Bundesstaat Chiapas) 45 Tzotzil-Indigene umgebracht worden. Unter den Toten, die sich in eine Kirche geflüchtet hatten, befanden sich neun Männer, 15 Kinder und Jugendliche sowie 21 Frauen, darunter vier Schwangere. Die Ermordeten gehörten der Organisation "Las Abejas“ (Die Bienen) an. Die Organisation vertritt die Ziele der Zapatisten, lehnt den bewaffneten Kampf jedoch ab.

Menschenrechtsorganisationen prangern die seit Jahren herrschende Straflosigkeit im Fall Acteal an. Frayba weist darauf hin, dass Opfer und Zeugen des Massakers große Angst vor erneuten bewaffneten Übergriffen geäußert hätten, denen sie sich schutzlos ausgesetzt sehen. „Mit der Freilassung der 15 Angeklagten unterstreicht der Staat seine Absicht, im Fall des Massakers von Acteal keine Gerechtigkeit walten zu lassen“, heißt es in dem Kommunique. Die Strafen der soeben Freigelassenen habe man bei anderen Gelegenheiten herabgesetzt.

Keine Untersuchungen zu Drahtziehern des Massakers

Die Beschuldigten seien zunächst zu 36 Jahren und drei Monaten Haft wegen vorsätzlichen Mordes, vorsätzlicher Körperverletzung, unerlaubtem Schusswaffenbesitz und dem unerlaubten Gebrauch von Schusswaffen verurteilt worden. Nachdem Einspruch gegen das Urteil eingelegt worden war, reduzierten die Bundesrichter die Strafe auf 26 Jahre Haft, später sei die Strafe auf 18 Jahre herabgesetzt und nicht mehr als schwere Straftat eingestuft worden. Aus Medienberichten gehe zudem hervor, dass in den kommenden Monaten weitere 24 Täter freigelassen werden könnten. Die Verteidigung der Anklage bereite demnach eine Klage beim Obersten Gerichtshof in Mexiko vor, bei dem auf Freispruch plädiert werde, so das Menschenrechtszentrum in Chiapas.

Frayba kritisiert zudem, dass die mexikanische Justiz keinerlei Untersuchungen zu den Hintermännern des Massakers veranlasst habe. Das Menschenrechtszentrum geht davon aus, dass unter anderem der damalige mexikanische Staatspräsident Präsident Ernesto Zedillo, Innenminister Emilio Chuayfett und Verteidigungsminister Enrique Cervantes in das Verbrechen verwickelt sind, ebenso wie der damalige Gouverneur des Bundesstaates Chiapas, Julio Cesar Ruiz Ferro und dessen Innenminister Homero Cristiani. (bh)

Quelle: Adital