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Mapuche - Tag 85 im Hungerstreik für fairen Prozess

Der Oberste Gerichtshof hat sich gegen die Annullierung des Strafprozesses von vier Mapuche-Häftlingen ausgesprochen, die unter Anwendung des Anti-Terror-Gesetzes zu hohen Haftstrafen verurteilt worden waren. Die Richter setzten in ihrem Urteil vom 3. Juni die Haftstrafen zwar herab, stellten die Anwendung des noch aus der Pinochet-Diktatur stammenden Anti-Terror-Gesetzes jedoch nicht grundsätzlich in Frage. Das Gesetz lässt unter anderem anonyme Zeugenaussagen zu, die laut Verteidigung eine Verurteilung der Angeklagten überhaupt erst ermöglicht hatten.

Nur Haftstrafen reduziert

Die Strafe von Héctor Llaitul, der ursprünglich zu 25 Jahren Haft verurteilt worden war, wurde vom Obersten Gerichtshof auf 14 Jahre herabgesetzt. Die Strafe der anderen drei Angeklagten wurde auf acht Jahre reduziert, so die chilenische Zeitung „La Nación“.

Héctor Llaitul Carillanca, Jonathan Huillical Méndez, Jose Huenuche und Ramón Llanquileo befinden sich seit 85 Tagen im Hungerstreik, mit dem sie einen erneuten und fairen Prozess fordern. Die vier wurden wegen eines Angriffs auf den Staatsanwalt Mario Elgueta im Jahr 2008 wegen Körperverletzung, schwerem Raub und Mordversuch zu Gefängnisstrafen zwischen 20 und 25 Jahren verurteilt. Die Mapuche-Gefangenen bezeichnen die Anklage als konstruiert und politisch motiviert.

Hungerstreik fortgesetzt

Angesichts der Urteile zeigten sich die Inhaftierten enttäuscht und entschieden, ihren Hungerstreik fortzusetzen. Am 6. Juni begannen auch Angehörige mit einem Hungerstreik, um den Druck auf Regierung und öffentlichkeit zu erhöhen.

Die Sprecherin der Ethikkommission gegen Folter, Juanita Aguilera, erklärte, ihre Behörde werde in den kommenden Tagen vor dem Interamerikanischen Gerichtshof für die Mapuche intervenieren. “Wir werden nicht zusehen, wie Menschen bei dieser Aktion, mit der sie Gerechtigkeit und Freiheit suchen, ihr Leben verlieren", erklärte sie.

Katholische Kirche könnte erneut vermitteln

Unterdessen hat der Erzbischof von Santiago de Chile, Ricardo Ezatti sich sowohl mit Angehörigen der Inhaftierten als auch Politikern getroffen und die Möglichkeit eines Gnadengesuchs in Aussicht gestellt, berichtet die Agentur Azkintuwe. Natividad Llanquileo, Sprecherin der Häftlinge erklärte, dass für Tote durch den Hungerstreik "die Verantwortung beim Staat" liege. Die Verantwortung für eine schnelle Lösung liege jedoch nicht bei ihm, sondern beim Staat, erklärte Ezatti. (bh)