Chile |

Mapuche im Hungerstreik sind in Lebensgefahr

Der Gesundheitszustand der vier politischen Mapuche-Häftlinge, die sich seit mehr als 70 Tagen im Hungerstreik befinden, ist sehr ernst. Dies erklärte die Sprecherin der Häftlinge, Natividad Llanquileo, gegenüber Teleangol. Llaitul, Llanquileo, José Huenuche und Jonathan Huillical hätten mittlerweile alle um die 20 Kilogramm Körpergewicht verloren. Sie hatten ihre Aktion am 15. März nach der Urteilsverkündung begonnen, obwohl sie zu dieser Zeit bereits gesundheitlich angeschlagen waren, so ihre Sprecherin. Die vier Verurteilten hatten bereits vor einem Jahr an einem 70 Tage dauernden Hungerstreik teilgenommen.

Ramón Llanquileo ins Krankenhaus eingeliefert

Am 24. Mai musste Ramón Llanquileo wegen ernster gesundheitlicher Probleme mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden, so die Agentur Adital.

Die vier zu hohen Haftstrafen zwischen 20 und 25 Jahren Verurteilten Mapuche protestieren mit ihrem Hungerstreik dagegen, dass in ihren Prozessen das noch aus der Pinochet-Diktatur stammende Anti-Terror-Gesetz angewandt wurde, das unter anderem auch anonyme Zeugenaussagen ermöglicht. Außerdem würden die Angeklagten wegen des selben Delikts jetzt noch einmal vor einem Zivilgericht angeklagt, so deren Sprecherin. Vorgeworfen wird den Mapuche, im Jahr 2008 einen Anschlag auf den Staatsanwalt Mario Elgueta begangen zu haben, der jedoch scheiterte.

Anti-Terror-Gesetz im Prozess angewandt

Pablo Ortega, Anwalt von Hector Llaitul, unterstrich zudem, dass eine Verurteilung der Mapuche ohne die anonymen Zeugenaussagen gar nicht möglich gewesen sei. Bisher hätten sich weder Regierung noch Kirche eingeschaltet, erklärte Natividad Llanquileo gegenüber The Clinic. Die Regierung argumentiere damit, dass das Problem von den Gerichten gelöst werden müsse, berichtet die Nachrichtenagentur Adital.

Der Oberste Gerichtshof hatte am 3. Mai eine Nichtigkeitsklage gegen das Urteil über die Mapuche zugelassen. Die Verteidiger der Mapuche hatten argumentiert, dass den Häftlingen bei den Verhandlungen in Cañete ein fairer Prozess verwehrt geblieben sei.

Hoffnung auf schnelle Entscheidung

Am 3. Juni werde der Oberste Gerichtshof in Santiago de Chile über die Nichtigkeitsklage verhandeln, so Natividad Llanquileo. „Ich hoffe, dass der Oberste Gerichtshof am 3. Juni den Fall lösen wird", so die Sprecherin mit Blick auf den ernsten Gesundheitszustand der vier Verurteilten, die trotzdem ihren Hungerstreik fortsetzen wollen. (bh)