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Lydia Cacho verlässt Mexiko nach Todesdrohungen

Die Journalistin, Autorin und Menschenrechtsaktivistin Lydia Cacho hat nach Angaben der Menschenrechtsorganisation für Pressefreiheit, Article 19, nach erneuten Todesdrohungen vorübergehend das Land verlassen. Cacho werde ihre Sicherheitsstrategie neu ausrichten, erklärte Ricardo González, der für das Schutzprogramm für Journalisten zuständig ist. „Dies hier ist absolut vorübergehend“, zitiert die mexikanische Tageszeitung „El Comercio“ den Mitarbeiter.

Die 49-jährige Lydia Cacho hatte am 29. Juli bei sich zu Hause in Cancún gearbeitet, als sie eine Morddrohung über ihr Handfunkgerät erhielt. Das Gerät ist nur für Notfälle und als Hilfe gedacht ist, wie Amnesty International berichtet. Die Organisation hatte noch am 1. August eine Eilaktion zugunsten der bedrohten Journalistin gestartet.

Todesdrohung über für Notfälle gedachtes Funkgerät

Das Gerät habe sich eingeschaltet und eine unbekannte männliche Stimme habe die Autorin aufgefordert, ihre Arbeit einzustellen, sonst werde sie zerstückelt. Chaco lebt seit der Veröffentlichung ihres Buches Los demonios del Edén (“Die Dämonen des Paradieses”) im Jahr 2005 mit Todesdrohungen und Schikanen. Sie hatte in dem Buch über einen Kinderpornographiering berichtet, der mutmaßlich mit Wissen und unter dem Schutz von Politikern und Geschäftsleuten operierte. Ihre Menschenrechtsarbeit zu diesem Thema hat sie bis heute fortgesetzt.

Die besondere Brisanz dieser Drohung liegt laut Presseberichten darin, dass der Anrufer sich in ein als vertrauenswürdig eingestuftes Funknetz hatte einschalten können. Laut dem Portal mexikanischen Portal Sinembargo hätten Sicherheitsleute der Autorin erklärt, dass sich der Anrufer in einem Umkreis von fünf Kilometer Entfernung befunden habe.

Laut Jahresbericht der Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) war Mexiko 2011 eines der gefährlichsten Länder für Journalisten weltweit. Seit dem Jahr 2000 bis heute sind in Mexiko nach Angaben der staatlichen Nationalen Menschenrechtskommission (CNDH) mehr 71 Journalisten umgebracht worden. (bh)