Argentinien |

Lithium-Abbau gefährdet Kultur und Lebensraum von Indigenen

33 indigene Gemeinschaften werden am 28. März in Buenos Aires eintreffen, um für ihre Rechte einzutreten. Die Gemeinden aus den Provinzen Salta und Jujuy leben in Gebieten, die für den Lithium-Bergbau erschlossen werden sollen. Bei einer öffentlichen Anhörung des Obersten Gerichtshofs werden sie ihre Anliegen vorbringen und anschließend bei einer Pressekonferenz Stellung nehmen. Sie sind der Meinung, dass die Förderung von Lithium ihr wirtschaftliches, soziales und kulturelles Leben maßgeblich negativ beeinflusst und damit nationlaes und internationales Recht verletzt.

Die meisten Mitglieder der Gemeinden verdienen ihren Lebensunterhalt seit Generationen mit der Viehwirtschaft und im Bereich der Salzgewinnung. "Die Gemeinschaften haben erst durch die Medien erfahren, dass sich in ihren Gebieten Unternehmen niederlassen werden. Niemand hat sie vorher darüber informiert oder mit ihnen über dieses Thema gesprochen, das ihre Lebensweise bedroht”, sagte Alicia Chalabe, eine Rechtsanwältin, die die Gemeinden vor dem Gerichtshof vertritt.

Gefahr für Salzabbau und Grundwasser

Untersuchungen zufolge erzeugen die Bohrungen nach und nach die Überflutung des umliegenden Geländes, was wiederum die Gewinnung der Salze an der Oberfläche der betroffenen Gebiete verhindert. Es besteht ebenso die Gefahr, dass die Salze durch die Bohrungen ins Grundwasser gespült werden. Dies wurde vom Rat der Aborigine-Organisation von Jujuy (COAJ) bei hydrogeologischen Untersuchungen dokumentiert.

“Die Gemeinden befinden sich in einer Situation extremer Armut und Isolation", erklärt Chalabe. "Sie haben kaum Zugang zu Medien und überhaupt keinen zu öffentlichen Verkehrmitteln. Trotz dieser Schwierigkeiten und dem Mangel an Ressourvcen, haben sie beschlossen alle möglichen Maßnahmen zu ergreifen, um die Einhaltung ihrer Rechte zu erwirken und die Verantwortung der Regierung der Provinz Jujuy, der Provinz Salta und des Staates einzuklagen”, sagt die Rechtsanwältin.

Umsiedlung bedroht die Kultur

“Eine weitere Bedrohung richtet sich gegen unsere Kultur”, sagt Clemente Flores, Vertreterin der 33 Gemeinden. “Viele Bergbau-Projekte erfordern die Verlagerung der Häuser und Anwesen. Unsere Familien haben einen bestimmten Ort für Opfer und Verehrung der Pachamama. Der ist seit Generationen der gleiche. Diese heilige Stätte zu verschieben, würde bedeuten die Weltanschaunung und unseren Glauben anzugreifen. Das ist der Ort, wo sich unsere Großeltern einst niedergelassen haben, den kann kein ökonomischer Wert aufwiegen”, sagt Flores.

Derzeit erkunden mindestens zwölf internationale Bergbauunternehmen die Gegend nach Lithium. Insgesamt 33 Projekte sind geplant, von denen mindestens vier die Förderungen in den nächsten zwei bis sechs Jahren beginnen sollen. Angesichts dieser Situation fordern die Gemeinden jetzt ihre Rechte ein, die in der Verfassung und auch in der Erkärung der Indígenas verankert sind. In den 33 Gemeinden leben mehr als 6.500 Menschen.

Über Lithium

Lithium wird hauptsächlich in der Industrie und der Medizin verwendet. Allerdings wird sich der Bedarf an diesem Mineral in den nächsten Jahren noch erhöhen, weil er ebenso für die Herstellung von Batterien, Smartphones, Tablet-PCs und Elektroautos verwendet wird. Argentinen ist einer der drittgrößten Produzenten weltweit mit nur einer Produktionsstätte in Salar del Hombre Muerto in der Provinz Catamarca.

Quelle: ENDEPA, deutsche Bearbeitung: Mareille Landau

Der Salzabbau sichert Indigenen seit Generationen ihren Lebenunterhalt. Foto: ENDEPA