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"Leuchtender Pfad" am Ende

In den 80er und 90er Jahren ermordete die maoistische Rebellengruppe "Leuchtender Pfad" in Peru Tausende Menschen. Nun wurde ihr ranghöchster aktiver Anführer, der 51-jährige Florindo Eleuterio Flores, genannt Artemio, von peruanischen Militäreinheiten aufgespürt, angeschossen und gefangengenommen. Damit geht eine Epoche politischer Gewalt zu Ende, die eine ganze Generation von Peruanern geprägt hat.

Zu dieser Generation gehört auch Altbischof Luis Bambaren. Der heute 84-Jährige stand 20 Jahre lang der Diözese Chimbote vor und war mehrmals Vorsitzender der nationalen Bischofskonferenz. Auch er wurde von den Terroristen mit dem Tod bedroht. "Wir betrieben eine aktive Friedenspolitik, stärkten die jungen Leute ideologisch, damit sie nicht vom Leuchtenden Pfad angeworben werden konnten. Das störte die Rebellen", erinnert sich Bambaren.

Bischof Bambaren Mitglied in Wahrheitskommission

Und der Leuchtende Pfad meinte es ernst: Im August 1991 tötete die Rebellengruppe zwei polnische und einen italienischen Missionar der Diözese Chimbote. "Sie wurden kaltblütig eliminiert", so Bambaren. Erst elf Jahre später sollte er erfahren, warum die drei Missionare sterben mussten. 1992 wurde der Chef des Leuchtenden Pfades, Abimael Guzman, gefangengenommen. Ihres Anführers beraubt, verlor die Gruppe schnell an Kraft. Nur in den Gebieten, in denen Koka angebaut wurde, konnte der Leuchtende Pfad neue Allianzen mit dem Drogenhandel eingehen und seine Bedeutung behalten.

Im Jahr 2000 setzte die peruanische Regierung eine Wahrheitskommission zur Aufklärung der Gewaltverbrechen durch den Leuchtenden Pfad einerseits und die peruanischen Streitkräfte andererseits ein. Bischof Bambaren war Mitglied dieser Kommission - und hatte 2002 die Gelegenheit, Abimael Guzman im Gefängnis zu befragen.

Geschichte der Gewalt bei Jugendlichen nicht präsent

Die Missionare in Chimbote, so erklärte der Marxist Guzman ihm, mussten sterben, weil Religion Opium für das Volk sei. Die polnischen Franziskaner seien aber vor allem wegen ihrer Nationalität getötet worden. Die Ermordung zweier polnischer Priester sollte das damalige Kirchenoberhaupt, den Polen Papst Johannes Paul II., treffen. Inzwischen wurde ein Seligsprechungsprozess für die drei getöteten Missionare eingeleitet. Sie gehören zu geschätzt 70.000 Menschen, die im Bürgerkrieg in Peru ihr Leben ließen. Viele Angehörige der Opfer warten bis heute auf eine staatliche Entschädigung.

Während Altbischof Bambaren vor 30 Jahren persönlich alle Schulen seiner Diözese besuchte, um die Jugendlichen für Friedensaktionen zu begeistern, so besteht heute die Gefahr, dass viele Jugendliche überhaupt nicht mehr um den Bürgerkrieg wissen. 65 Prozent aller Peruaner gaben bei einer jüngsten Befragung an, den Bericht der Wahrheitskommission nicht zu kennen. Zeitgleich sammelten Studenten Unterschriften, um den Leuchtenden Pfad als politische Partei einschreiben zu lassen - ein Vorhaben, das letztlich fehlschlug. Es zeige jedoch, so Bambaren, wie wenig präsent die jüngste Geschichte der Gewalt in den Schulzimmern und Universitätsaulen sei.

Der nun gefasste Anführer Artemio war bis zum Schluss ein Hardliner des bewaffneten Kampfes. Sowohl die USA als auch die EU beglückwünschten Peru zu der Verhaftung. Artemios Gefangennahme setzt womöglich einen Schlussstrich unter die Gewaltgeschichte des Leuchtenden Pfades in Peru.

Autorin: Hildegard Willer, Lima/KNA