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Landlosenbewegung besetzt ungenutzte Landgüter

Brasiliens Landlosenbewegung MST ("Movimento dos Trabalhadores Rurais sem Terra") hat den diesjährigen Aktionsmonat "Roter April" mit Besetzungen von Landgütern gestartet. In den Bundesstaaten Bahia und Sao Paulo besetzten Aktivisten laut Zeitungsberichten vom Sonntag mehrere Farmen. Mit den Aktionen erinnert MST an den Mord an 19 MST-Anhängern, die im April 1996 bei Protesten von der Polizei erschossen wurden.

MST will mit den Besetzungen eine weitreichende Bodenreform erzwingen. Dafür besetzt die Bewegung Ländereien, die nach Angaben der Bewegung brachliegen und nicht landwirtschaftlich genutzt werden. Laut brasilianischer Verfassung hat der Staat das Recht, ungenutztes Land zu enteignen und an Landlose zu verteilen. MST verlangt von der Regierung ein härteres Vorgehen gegen Landwirte und eine rigorosere Umsetzung der Landverteilung.

Im Distrikt Rinopolis im Landesinnern von Sao Paulo besetzten gut 180 Aktivisten ein Landgut. Laut Angaben der Bewegung ist es seit Jahren ungenutzt, jedoch weigere sich die zuständige Landverteilungsbehörde INCRA, das Land zu enteignen. Im Süden des Bundesstaates Bahia besetzten 450 landlose Familien zudem zwei Farmen.

Die Aktion der Landlosenbewegung zur Erinnerung an den 17. April 1996 findet jedes Jahr statt. Damals töteten Polizeikräfte im Norden des Landes 19 Teilnehmer an einer Protestveranstaltung. Bis zum Jahrestag in gut zwei Wochen sollen laut MST landesweit weitere Besetzungen erfolgen.

Basisorganisationen der katholischen Kirche Brasiliens unterstützen die Landlosenbewegung bei ihrem Kampf um eine Bodenreform, distanzieren sich jedoch von einer gewaltsamen Lösung des Konfliktes. Bei Auseinandersetzungen zwischen MST und Landbesitzern kommt es immer wieder zu gewaltsamen Zwischenfällen.

Quelle: kna