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Kuba intensiviert Handelsbeziehungen mit Russland

In Havanna wendet man sich verstärkt wieder Russland zu. Foto: Adveniat/Steffen
In Havanna wendet man sich verstärkt wieder Russland zu. Foto: Adveniat/Steffen

Der halbstaatliche russische Energiekonzern Rosneft springt für das von wirtschaftlichen und politischen Problemen geplagte Venezuela als Öllieferant Kubas ein. Das meldete die russische Nachrichtenagentur Tass vor einigen Tagen. Kreml und die kubanische Regierung vereinbarten demnach, die russischen Öllieferungen auszuweiten und die Zusammenarbeit bei der Ölförderung auf der Insel zu vertiefen.

Bereits im März hatte sich Rosneft verpflichtet, 250.000 Tonnen Öl und Diesel nach Kuba zu liefern. Beobachter vermuten, dass das Geschäft Teil eines Dreiecks-Deals ist: Rosneft hatte in diesem und im vergangenen Jahr dem venezolanischen Staatskonzern PDVSA geschätzt 5 Milliarden US-Dollar geliehen. Öllieferungen von PDVSA nach Kuba könnten damit verrechnet werden.

Das Szenario erinnert ein wenig an die 1970er und 1980er Jahre, als die Sowjetunion Kubas (wirtschaftliches) Überleben sichern half. Dies ging einher mit der Sowjetisierung des Landes. Sowjetische Produkte strömten nach Kuba und ersetzten US-amerikanische Kühlschränke, Fernseher und andere Gebrauchsartikel; immer mehr Ladas und Moskwitsch tauchten im Straßenbild auf. 1972 wurde Kuba neben Vietnam als einziges Land der sogenannten Dritten Welt Mitglied des Rates für Gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW). In den 1980ern leistete die Sowjetunion Wirtschaftshilfe von jährlich rund 2 Milliarden US-Dollar; hinzu kamen rund 13 Millionen Tonnen Öl. Kuba wurde immer stärker abhängig von der Sowjetunion. 1989 wickelte das Land 85 Prozent seines Außenhandels über den RGW ab.

Wirtschaftskrise nach Zusammenbruch der Sowjetunion

Umso härter traf die Karibikinsel das Ende der Sowjetunion und die Auflösung des RGW. Die Erdöllieferungen fielen von 13 auf 4 Millionen Tonnen im Jahr 1993, die Importe brachen um 75 Prozent ein. Kuba stürzte in eine tiefe und umfassende Wirtschaftskrise. Die Schulden gegenüber der Sowjetunion beliefen sich 1991 auf rund 35 Milliarden US-Dollar.

Russland als Nachfolgestaat der Sowjetunion erließ Kuba 2014 90 Prozent dieser Schulden. Die verbliebenen rund 3,5 Milliarden US-Dollar sollen mit Vorzugskonditionen für russische Investitionen auf der Insel ausgeglichen werden. So soll Rosneft auch Kubas größte Raffinerie in Cienfuegos modernisieren, die wegen der reduzierten Öllieferungen aus Venezuela derzeit nur mit halber Kraft läuft. Kubas engster Verbündeter Venezuela hat aufgrund der dortigen politischen und wirtschaftlichen Krise seine Öllieferungen drastisch reduziert. Statt 100.000 Barrel (1 Barrel = 159 l) liefert Caracas derzeit nur noch rund 55.000 Barrel täglich auf die Karibikinsel.

Wachsende Handelsbeziehungen mit Russland

Auch vor diesem Hintergrund hat Kuba Probebohrungen in seiner 1999 eingerichteten Exklusiven Wirtschaftszone im Golf von Mexiko (ZEEC-GOM) ausgeweitet. Daran beteiligt sind auch russische Unternehmen.
Vor allem seit der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten haben sich die diplomatischen und wirtschaftlichen Kontakte zwischen Russland und Kuba intensiviert. Im September unterschrieben beide Länder an Paket an Vereinbarungen u.a. im Energiesektor, zum Eisenbahntransport und zur Lieferung von Fahrstühlen. Weitere Abkommen betreffen die Lebensmittelherstellung sowie die Textilindustrie. Zudem liefert Russland LkWs, Busse und Lokomotiven.

Das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern stieg im ersten Halbjahr 2017 um 73 Prozent auf 176,2 Millionen US-Dollar. Es ist damit zwar noch weit entfernt von dem Kubas mit seinen wichtigsten Handelspartnern China und Venezuela, die Tendenz aber ist klar steigend. Auch auf Sport- und Kulturebene nehmen die Kontakte zu. Und Ende vergangenen Jahres unterschrieb Russland eine Vereinbarung, Kubas Streitkräfte zu modernisieren. Auch Meldungen, wonach Russland wieder eine Militärbasis auf Kuba eröffnen könnte, tauchen immer mal wieder auf. Allerdings dürfte das eher unwahrscheinlich sein, wenn Havanna an einer Verbesserung der Beziehungen zu den USA gelegen ist.

Neue Spannungen zwischen Kuba und den USA

Die hatten sich zuletzt allerdings rapide verschlechtert, nachdem US-amerikanische Diplomaten in den vergangenen Monaten auf Kuba mutmaßlich Opfer „akustischer Attacken“ wurden. Bei mindestens 22 US-amerikanischen Diplomaten und deren Angehörigen waren Migräne, Übelkeit, Gedächtnislücken und Taubheitssymptome bis hin zum Verlust der Hörkraft aufgetreten. Die US-Regierung hatte daraufhin vor wenigen Wochen einen Großteil ihres Botschaftspersonals aus Kuba abgezogen und 15 kubanische Diplomaten ausgewiesen.

Während unter Donald Trump die Spannungen zwischen den USA und Kuba also wieder zunehmen, springen wie von Experten vorhergesagt Länder wie China, Iran oder eben Russland als Partner ein. „Kuba versucht, seine Beziehungen zu diversifizieren“, sagt Richard Feinberg, Lateinamerika-Experte vom Think Tank Brookings Institution. „Da engere wirtschaftliche Beziehungen zu den USA in den kommenden Jahren nicht sehr wahrscheinlich erscheinen, sucht man nach alternativen Verbündeten; vor allem starke Länder wie Russland oder China können günstige Zahlungsbedingungen anbieten.“

Russland verfolgt dabei auf Kuba ganz klar geostrategische Interessen. „Putins Message ist nicht schwer zu verstehen“, so Feinberg weiter. „Putin sehnt sich danach, die imperiale Herrlichkeit zurückzugewinnen, und die Beziehungen zu Kuba folgen diesem Muster.“

Autor: Andreas Knobloch

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