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Kondor vom Aussterben bedroht

Der majestätische Andenkondor kreist in Höhen von mehr als 5.000 Metern und ziert das Wappen Ecuadors. Doch der „König der Anden“, wie der riesige Greifvogel auch genannt wird, könnte in 25 Jahren verschwunden sein, wenn nicht sofort Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

Nur noch 500 Tiere in Peru

Einst schwebte der Andenkondor (Vultur gryphus) von Venezuela bis Feuerland in den Lüften der Anden. Wissenschaftler warnen davor, dass der Andenkondor vom Aussterben bedroht ist. Ohne sofortige Gegenmaßnahmen werde der majestätische Vogel in 25 Jahren nicht mehr hoch über den Anden seine Kreise ziehen, ließ der Vorsitzende des Büros für Wildtiere und Wildfauna in Peru (ATFFS), Vicente Rodríguez Córdova, kürzlich verlauten.

Schätzungen zufolge gibt es derzeit nur noch rund 500 Tiere in Peru, die vor allem zwischen Cusco und Apurímac zu finden sind. Auch wenn der Andenkondor laut jüngsten Berichten noch immer in allen Andenregionen sehen ist, so sind es doch sehr wenige Tiere, verglichen mit dem Bestand des Kondors vor hundert Jahren. Überall dort, wo er bisher überlebt hat, sei er derzeit vom Aussterben bedroht.

Ecuador ohne Wappentier

Der Bestand des „Königs der Anden“ habe in den vergangenen Jahren besorgniserregend abgenommen, so Rodríguez. Schuld daran seien einerseits Veränderungen in der natürlichen Umwelt des Kondors die zum Tod der Tiere führen, zum anderen aber auch Jäger, welche die Tiere lebend fangen und verkaufen.

Der Andenkondor ist das Wappentier Ecuadors — aber in diesem Land selbst ist der Vogel praktisch bereits ausgestorben, nur sehr vereinzelt leben dort noch kleine Gruppen dieser Art. Die ecuadorianischen Experten schlagen deshalb Alarm: Nur noch fünf Jahre lang, so ihre Schätzung, wird der Kondor dort zu sehen sein.

König der Lüfte

In der Region um die peruanische Hauptstadt Lima ist der Andenkondor bis in die Küstenregionen zu finden, mit etwas Glück sieht man ihn an den Hügeln der Küste oder sogar an einem Strand. Auch in Patagonien lebt er in den Ebenen und kommt bis zum Meer hinunter. In den Bergen der Anden kreist er jedoch in Höhen von mehr als 5.000 Metern.

Er ist mit einem Gewicht von bis zu 15 Kilogramm der schwerste Greifvogel der Welt und zählt zu den wenigen Vögeln, deren Spannweite über 3 Meter betragen kann. Der Andenkondor lebt in Gruppen, früher wurden bis zu 60 Tiere beobachtet, Jungtiere und erwachsene Vögel, die zusammen fraßen. Manchmal gesellten sich auch andere Geierarten hinzu. In der Luft kreist der Kondor sowohl in Gruppen, als auch allein.

Wissenschaftler fordern landesübergreifende Schutzmaßnahmen

Auch wenn einzelne Länder bereits große Anstrengungen unternehmen, um den König der Anden zu retten, sei eine gemeinsame Strategie aller Andenstaaten dringend notwendig, um das Aussterben des Andenkondors zu verhindern, so Rodríguez. Wichtigste Maßnahme sei eine genaue Zählung, die auch Aufschluss darüber geben soll, wo sich die Schlafplätze der Vögel befinden oder wo deren Nester sind.

Allerdings könnte es bei diesen guten Vorsätzen bleiben, so Rodríguez, denn die Initiative der Wissenschaftler verfügt weder über geeignetes Personal, um die Studien durchzuführen noch über eine gesicherte Finanzierung.

Autor: Servindi (Erstveröffentlichung Agentur ANCA24); Deutsche Bearbeitung: Bettina Hoyer