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Knapper Sieg für Correa bei Referendum

Die Ecuadorianer haben in einer Volksbefragung Präsident Rafael Correa und seiner linkspopulistischen Bürgerrevolution den Rücken gestärkt. Ersten amtlichen Hochrechnungen zufolge stimmten am Samstag zwischen 46 und 51 Prozent den insgesamt zehn Fragen zu, die Correa ausgearbeitet hatte, darunter ein Verbot von Glücksspielen und Stier- und Hahnenkämpfen. Außerdem wird es künftig im Strafgesetzbuch das Delikt der „ungerechtfertigten Bereicherung“ geben. Auch die besonders umstrittenen Punkte zur Einrichtung eines Medienkontrollrates und einer Justizreform kamen demnach durch, ebenso wie das Verbot für Finanzinstitutionen und Medienkonzerne, in anderen Branchen tätig zu werden.

Knapper Vorsprung

Allerdings war der Vorsprung knapper als von der Regierung erhofft. Zwischen 39 und 43 Prozent je nach Frage lehnten den Hochrechnungen zufolge die Vorlagen ab. Beim Medienrat lag der Vorsprung für das Ja demnach nur bei zwei Prozentpunkten. Die bürgerliche Opposition und Kritiker aus dem linken Lager fürchten, dass die Regierung damit nach dem Modell Venezuelas ihre Kontrolle über Medien und Justiz ausbaut.

Schritt zum „neuen Vaterland“

„Dies ist ein Sieg des Volkes und der Demokratie und ein weiterer Schritt hin zu einem neuen Vaterland“, verkündete Correa am Abend. Vizepräsident Lenin Moreno forderte den Kongress auf, den Volkswillen nun in Gesetzesform zu gießen. Fünf der Fragen erfordern Änderungen an der 2008 verabschiedeten Verfassung.

„Wir können auf keinen Fall von einem Erdrutschsieg für die Regierung sprechen“, warnte hingegen der Ökonom Alberto Acosta, ehemaliger Vorsitzender der Verfassungsgebenden Versammlung und heute Kritiker Correas. „Wenn man die Enthaltungen und ungültigen Stimmen mitzählt, hat die Hälfte derBevölkerung mit nein gestimmt.“

Nach Angaben des Wahlrates verlief die Abstimmung weitgehend friedlich, vereinzelt kam es jedoch zu Unregelmäßigkeiten, die noch zu Nachwahlkonflikten führen könnten. So sei die Schwester des Staatschefs, Pierina, bei unerlaubter Propaganda ertappt worden, da sie mit “Ja”-Aufklebern auf ihrem Auto zur Urne gefahren sei. Die Wahlbeobachter der Organisation Amerikanischer Staaten sprachen jedoch von einem „normalen Verlauf“.

Opposition wenig gemeinsame Punkte

Dies ist der sechste Urnen-Sieg des seit 2007 amtierenden Staatschefs. Er kommt zu einem wichtigen Zeitpunkt. Im vorigen Jahr wurde Correa bei Unruhen und Protesten der Polizei fast gestürzt. Besonders in der Mittelschicht ist er wegen seiner polarisierenden Art in Ungnade gefallen. Auch ehemalige Verbündete wie die Indigenas und Umweltschützer fühlen sich wegen seiner industriefreundlichen Politik von ihm verraten. Zusammen mit der rechten Opposition machten sie sich für ein „nein“ stark. Viel mehr als die Kritik am Präsidenten eint die Opposition allerdings nicht.

Bei zwei Drittel der Bevölkerung ist Correa weiterhin populär, nachdem er den Mindestlohn angehoben, die Steuern für ausländische Erdölkonzerne angehoben und den Ausbau des Gesundheitssystems und der Sozialwohnungen vorangetrieben hat. 2013 stehen Präsidentschaftswahlen an, bei denen der 48-Jährige erneut kandidieren darf. Venezuelas Präsident Hugo Chavez, Mentor Correas, begrüßte den Erfolg umgehend. „Wir gewinnen weiter“, twitterte er.

Sandra Weiss, Puebla