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Kleinfischerei vom Aussterben bedroht

Die zentralamerikanische Fischereiindustrie steckt in der Krise. Nicht nur, dass sie gegen die Konkurrenz der großen internationalen Fangflotten machtlos ist. Auch die Verschmutzung der Küstengewässer durch Tourismus und Agroindustrie bringt die Branche an den Rand ihrer Existenz.

"Alles wird wohl darauf hinauslaufen, dass wir allmählich verschwinden", meint dazu Oscar Marroquín, Vorsitzender der Zentralamerikanischen Fischereivereinigung mit Sitz in Guatemala, der die Interessen von 95.000 Fischern aus Belize, Guatemala, El Salvador, Honduras, Nicaragua, Costa Rica und Panama vertritt.

Dass es den regionalen Fischern schlecht geht, führt Marroquín auf verschiedene Freihandelsabkommen (FTA) zurück wie das FTA, das Zentralamerika und Dominikanische Republik mit den USA geschlossen hat. Es erlaubt seit 2006 den zollfreien Export von Fischen wie Thun und Sardinen.

Auf ein ähnliches Abkommen haben sich Honduras, El Salvador, Guatemala, Nicaragua und Panama mit Taiwan eingelassen, das ebenfalls Zollerleichterungen für den Export von Meeresprodukten vorsieht. Gleiches gilt für das geplante Assoziationsabkommen zwischen Zentralamerika und der EU.

Export in ausländischer Hand

Die exportorientierte Fischproduktion wird jedoch weitgehend von den großen Fischereiunternehmen abgedeckt. In Panama, dem größten regionalen Fischproduzenten, hatte die Industriefischerei 2007 einen Anteil von 77,3 Prozent an der nationalen Produktion. Auf die lokalen Fischer hingegen entfielen nach Angaben der Panamaischen Behörde für Meeresressourcen. gerade einmal 16,1 Prozent, auf die Aquakulturen der Rest.

In Zentralamerika werden jährlich 550.000 Tonnen Fisch im Wert von 1,9 Milliarden US-Dollar gefangen. 60 Prozent der Fangmenge ist für den Export bestimmt, vor allen in die Europäische Union und in die USA, wie Zahlen der Regionalen Fischereistelle des Zentralamerikanischen Integrationssystems (Sica) belegen.

Vom Exportgeschäft sind die kleinen Fischer der Region weitgehend ausgeschlossen. "Wir haben keine Chance gegen große ausländische Unternehmen wie ´Calvo´ in El Salvador, ´Rianxeira in Guatemala und ´Pescanova´ en Nicaragua", so Marroquín.

Um mithalten zu können, brauchen die kleinen Fischer organisatorische Unterstützung, neue Technologien, um den Fischfang effizienter zu machen, sowie eine bessere Vermarktung ihrer Produkte, sagte der guatemaltekische Verbandschef. Ein Viertel der Mitglieder seiner Vereinigung fischen für den Eigenbedarf, drei Viertel für den lokalen Verkauf.

Verseuchte Meere

Den zentralamerikanischen Fischern machen aber auch Tourismus und Agroindustrie zu schaffen. Einem Bericht der salvadorianischen Stiftung für Rechtsanwendung zufolge haben sie mit ihren Chemikalien, Benzin und Abwässern das Meer der Costa del Sol im Süden El Salvadors verseucht. Internationalen Fischereiunternehmen wirft die Untersuchung vor, einen Teil ihrer Fänge auf kleinere Boote auszulagern, um den Fiskus zu hintergehen.

In El Salvador gibt es etwa 30.000 Fischer, die mit ihrem Gewerbe mehr als 100.000 Arbeitsplätze geschaffen haben, wie das staatliche Zentrum für die Entwicklung der Fischerei und Aquakultur herausgefunden hat. Sie alle hoffen nun auf ein neues Gesetz, dass ihnen ein Fischerei-Exklusivrecht über einen 5.000 Seemeilen breiten Küstenstreifen einräumen soll.

Autor: Danilo Valladares, IPS-Weltblick