El Salvador |

Kirche will "Gerechtigkeit" für tote Jesuiten

Im Jesuitenmordprozess von El Salvador hat die katholische Kirche den Obersten Gerichtshof des Landes aufgefordert, ohne politischen Druck über eine Auslieferung der Tatverdächtigen nach Spanien zu entscheiden. Der Erzbischof der Hauptstadtdiözese San Salvador, Jose Luis Escobar Alas, erklärte am Sonntag (Ortszeit) vor Journalisten, es sei notwendig, dass der Beschluss im Sinne der Wahrheit und Gerechtigkeit falle. Es müsse "das Recht im Interesse des Wohles der Gesellschaft bestätigt" werden.

Beobachter werten dies als Kehrtwende der Kirche. Sie hatte sich bislang für eine Amnestie-Regelung für die beschuldigten Militärangehörigen ausgesprochen, um alte Wunden aus dem Bürgerkrieg nicht wieder aufzureißen. Im August waren in El Salvador neun frühere Armeemitglieder wegen mutmaßlicher Beteiligung an dem Mord an sechs Jesuiten im Jahr 1989 verhaftet worden. Die Militärs hatten sich den Behörden freiwillig gestellt. Spanien forderte wiederholt die Auslieferung; zwischen El Salvador und Spanien gibt es seit 1997 ein Auslieferungsabkommen.

Da ein Teil der Opfer aus Spanien stammte, will die spanische Justiz die Hintergründe der Gewalttat von 1989 aufarbeiten. In El Salvador waren die Ermittlungen bereits vor Jahren im Zuge einer Amnestie für die Zeit des Bürgerkrieges (1980-1991) eingestellt worden.

Am 16. November 1989 hatten Angehörige einer Armeeeinheit auf einem Universitätsgelände sechs Jesuiten sowie eine Hausangestellte und deren Tochter erschossen. Fünf der Opfer waren Spanier, darunter Universitätsrektor Ignacio Ellacuria und dessen Stellvertreter Ignacio Martin-Baro.

Quelle: kna