Kuba |

Kirche bittet um Geduld

Die Menschenrechtsorganisation "Reporter ohne Grenzen" hat die kubanische Regierung kritisiert, dass es nach den erfolgreichen Vermittlungsgesprächen mit der kubanischen Kirche nicht möglich sei, zu überprüfen, ob die ausgehandelten Zugeständnisse auch tatsächlich umgesetzt werden. Der Amerika-Sprecher der Organisation, Benoit Hervieu, drückte gegenüber dem regierungskritischen Sender Radio Martí zugleich seine Sorge über den Gesundheitszustand der wegen angeblicher Spionage zu langen Haftstrafen verurteilten Journalisten Normando Hernández González, José Luis García Paneque und Juan Carlos Herrera Acosta aus.

Nach Angaben von Hervieu wurde erst am 25. Mai 2010 mit Calixto Ramón Martínez Arias ein weiterer Journalist von Mitarbeitern der staatlichen Sicherheitskräfte verhaftet.

Derweil bat der Präsident der kubanischen Bischofskonferenz, Dionisio García Ibáñez, zu Geduld auf. Dem gleichen Radiosender sagte der Bischof von Holguín die Gespräche mit der Regierung kämen Schritt für Schritt voran. Die ausgehandelte Verlegung der politischen Gefangenen in deren Heimatorte sei ein positives Signal. Die Spitze der katholischen Kirche in Kuba und Regierungschef Raul Castro hatten im Mai überraschend direkte Gespräche aufgenommen. Wie die kubanische Regierung in einer kurzen Stellungnahme mitteilte, habe im Mittelpunkt des Treffens ein Dialog zur Verbesserung der Beziehungen des Staates und der Kirche gestanden. Politische Beobachter spekulieren, dass die Castro-Regierung den bevorstehenden Besuches des vatikanischen Außenminister Erzbischof Dominique Mamberti in Kuba (16. bis 20. Juni) zum Anlaß nehmen könne, um einige der zur Zeit hungerstreikenden Dissidenten freizulassen.

Anfang Mai hatte Kubas Regierung nach einer Intervention von Kardinal Ortega den Angehörigen inhaftierter Oppositioneller wieder erlaubt, für die Freilassung politischer Gefangener zu demonstrieren. Konkret ging es um die sogenannten "damas blancas" ("Frauen in Weiß"). Sie versammelten sich sieben Jahre lang jeden Sonntag zu einer Kundgebung, bis die Zusammenkünfte am 11. April verboten wurden. (tk)