Argentinien |

Justiz verurteilt Verbrechen der Militärdiktatur

Der Bundesgerichtshof Nr.1 von Buenos Aires hat vier Verantwortliche der zwischen 1976 und 1983 bestehenden Militärdiktatur wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt.

Der Generalmajor Eduardo Cabanillas wurde zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt. Die ehemaligen Mitarbeiter des SIDE Eduardo Ruffo und Honorio Martínez Ruiz wurden zu jeweils 25 Jahren Haft verurteilt, der ehemalige Geheimagent Raúl Antonio Guglielminetti zu 20 Jahren Haft.

Die Verbrechen wurden im Rahmen der Operation Condor im Geheimzentrum für Verhaftungen “Automotores Orletti” verübt. Im Stadtviertel Flores von Buenos Aires wurde damals eine alte Autowerkstatt durch Mitarbeiter des argentinischen Geheimdienstes SIDE (Secretaría de Inteligencia de Estado) angemietet und als Geheimzentrum umfunktioniert. Hier wurden Menschen aus Argentinien, Chile, Uruguay, Peru, Bolivien und Kuba verhört und gefoltert. Unter dem Decknamen Operation Condor koordinierten in den 1970er und 1980er Jahren die Diktaturen Südamerikas die Verfolgung oppositioneller Kräfte.

Das Gericht befand die Angeklagten der rechtswidrigen Freiheitsberaubung, Folter und Mord von 65 Opfern für schuldig. Von diesen sind 18 noch immer verschwunden: zehn Argentinier, drei Uruguayer, zwei Kubaner, ein Chilene und zwei in Bolivien entführte Argentinier. Weitere sechs Argentinier wurden ermordet.

Zum ersten Mal in der Geschichte der Aufarbeitung der südamerikanischen Diktaturverbrechen wurde durch das Gerichtsurteil sowohl die rechtswidrige Freiheitsberaubung von 65 Menschen durch die Operation Condor als auch die repressive Kooperation zwischen den ehemaligen Diktaturen des Cono Sur bestätigt.

Quelle: Púlsar in: Poonal