Mexiko |

Journalistin wegen Social Media-Aktivitäten ermordet

Internationale Institutionen und Menschenrechtsorganisationen haben den Mord an der Chefredakteurin der Tageszeitung „Primera Hora“ durch das Drogenkartell "Zetas" scharf verurteilt. Die Vorsitzende der UNESCO, Irina Bokova, forderte von der mexikanischen Regierung „schnelle und energische Schritte“, um die Sicherheit von Pressemitarbeitern zu erhöhen.

Die 39-jährige Journalistin Elizabeth Macías Castro war am 24. September in der nordmexikanischen Grenzstadt Nuevo Laredo (Bundesstaat Tamaulipas) ermordet aufgefunden worden. Sie galt seit dem Verlassen der Redaktion am Abend des 23. September als vermisst.

Wegen „Warnungen“ an Lokalbevölkerung umgebracht

Neben ihrem Leichnam wurden zwei Tastaturen, ein CD-Player und mehrere Kabel sowie ein Brief gefunden. Darin bekennt sich das Drogenkartell der "Zetas" zu dem Mord. In dem Schreiben heißt es: "Ich bin Nena de Laredo und ich bin wegen meinen Berichten und denen von euch hier“.

Die Chefredakteurin war als „Nena de Laredo“ im Portal „Nuevo Laredo en Vivo“ aktiv. Sie moderierte dort Foren und veröffentlichte auch selbst Informationen. Das Portal dient auch dazu, dass die Nutzer dort Warnungen vor Gefahren des organisierten Verbrechens veröffentlichen können, so der Journalistenverband Article 19 in einem Kommunique. Die Initiatoren des Portals beschreiben ihr Projekt als eine "Seite von Bürgern aus Nuevo Laredo, die sich dazu verpflichtet sehen darüber zu informieren, was in unserer Stadt geschieht“.

„Straffreiheit ist direkte Bedrohung der Pressefreiheit“

Für die Demokratie und die Wiederherstellung rechtsstaatlicher Verhältnisse sei essentiell, dass Journalisten und Redakteure ihrer Arbeit nachgehen können, ohne um ihr Leben zu fürchten, unterstrich die Leiterin der UNESCO in einer Presseerklärung “Die Straffreiheit ist in Mexiko zu einer direkten Bedrohung von Meinungsfreiheit und Pressefreiheit geworden", so Bokova.

Social Media hat als Informationsquelle seit dem von Präsident Calderón ausgerufenen Krieg gegen den Drogenhandel immer mehr an Bedeutung gewonnen, nachdem klassische Medien aus Selbstzensur oder auf Druck hin kaum noch Meldungen über das organisierte Verbrechen veröffentlichen.

Erst vor zwei Wochen waren in der gleichen Stadt zwei junge Leute ermordet worden. Auch bei ihnen war eine Botschaft mit einer Warnung der Zetas gefunden worden. Dort wurde damit gedroht, dass dieses Schicksal allen „Internetpetzern“ drohe. (bh)