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Jesuiten-Flüchtlingsdienst fordert Solidarität mit Haiti

Ein humanitäres Visum statt Abschiebung. Ein Netzwerk gegen den Menschenhandel. „Kreative Lösungen für den haitianischen Flüchtlingsstrom“ nach Lateinamerika forderte Edson Louidor vom Flüchtlingsrat. Angesichts des quälend langsamen Wiederaufbaus in Haiti sei Repression jetzt das falsche Signal.

Über Chile und Ecuador nach Frankreich

Lateinamerika und vor allem Südamerika ist in den letzten drei Jahren zu einem bevorzugten Migrationsziel haitianischer Flüchtlinge geworden. Aus diesem Anlass forderte Edson Louidor, Koordinator des Jesuiten-lüchtlingsdienstes für Lateinamerika und Karibik (SJR-LAC) bei einer Pressekonferenz in Quito (Ecuador) mehr Solidarität mit dem haitianischen Volk.

Im Jahr 2009 lebten in Südamerika 75.000 Haitianer. Die Tendenz sei steigend, so Louidor: 1.258 Haitianer kamen 2009, im darauffolgenden Jahr waren es 1.687 Migranten und im ersten Vierteljahr dieses Jahres migrierten bereits 1.112 Personen. Vor allem Chile und Ecuador seien Einreiseländer.

Grenze nach Französisch-Guayana geschlossen

Problematisch sei auch, dass sich die Migrationsströme in den letzten Jahren stark verändert hätten. Die Einwanderer seien von Ecuador nach Venezuela gegangen, hätten Kolumbien durchquert und seien von Ecuador über Bolivien nach Brasilien eingewandert. Seit dem schweren Erdbeben von 2010 seien die Migrationsrouten komplexer geworden: Sie verlaufen nun von Ecuador nach Brasilien über Peru und von Chile bis nach Venezuela. Auch würden neue Transitländer angesteuert, wie die Dominikanische Republik und Kuba.

Doch all diese Länder waren immer nur Streckenabschnitte auf dem Weg zu einem ganz anderen Ziel: Dem Weg nach Französisch Guyana und von dort in die USA oder nach Frankreich.

Angesichts einer verschärften Migrationspolitik und der Schließung der Grenzen von Französisch-Guayana erfolgt derzeit eine massive Migration nach Brasilien. Laut Angaben brasilianischer Behörden seien bereits zwischen 1.200 und 2.000 Haitianer über das Amazonasgebiet nach Brasilien eingereist, erklärte Louidor.

Flüchtlingshilfe fordert humanitäres Visum und Abschiebungsstopp

Die SJR-LAC sei besorgt angesichts dieser Entwicklungen, erklärte der Koordinator weiter. Die Situation der Menschen in Haiti verschlimmere sich zusehends. Weder die haitianische Regierung noch die internationale Gemeinschaft zeigten sich fähig, die Lage zu verbessern. Angesichts eines quälend langsamen Wiederaufbaus nach dem Erdbeben sähen sich viele Menschen gezwungen zu migrieren. Zudem würden gezielt junge Menschen von Schleusern für den Menschenhandel rekrutiert. Angesichts der allseits verschärften Migrationspolitik habe sich die Situation der Haitianer so noch zusätzlich verschärft.

Der Flüchtlingsrat sprach sich deshalb für die Schaffung eines humanitären Visums aus, statt Flüchtlinge aus Haiti wieder in ihr Heimatland abzuschieben. Zudem sollte eine Politik des Schutzes für die Migranten angestrebt und ein regionales Netzwerk gegen den Menschenhandel mit Haitianern ins Leben gerufen werden.

Haitianer „stranden“ in Ecuador

Pfarrer Ponce von der ecuadorianischen Regionalstelle der SJR-LAC erklärte zudem, vor kurzem seien haitianische Studenten nach Ecuador gekommen. Die jungen Frauen und Männer hätte man mit falschen Informationen über Studienmöglichkeiten ins Land gelockt. „Ihre Zahl ist klein, aber sie sind Anlass zur Sorge. Wir können sie nicht zurückschicken und diesen Strom kaum regulieren. Die Regierung hat zwar versichert, dass kein Haitianer abgeschoben wird, doch das neue Migrationsgesetz bietet keine gangbaren Lösungen für derartige Fälle an“, so Ponce.

Für eine Integration von haitianischen Migranten sei zudem die Sprachbarriere ein großes Hindernis. Außerdem seien diese Flüchtlingsströme neu, weshalb es „noch keine sozialen Netzwerke gibt, auf die ankommende Flüchtlinge zurückgreifen könnten, wie es bei Kolumbianern oder Peruanern der Fall ist", erklärte der Pfarrer die Lage in Ecuador.

Jesuitische Flüchtlingshilfe-Ecuador leistet Integrationsarbeit

Die Jesuitische Flüchtlingshilfe biete daher Spanischunterricht, juristische Beratung und Hilfe bei der Eingliederung von Kindern in den Schulbetrieb in Ecuador an und unterstütze die Bildung Organisationen, die haitianische Migranten unterstützen. Der Pfarrer äußerte die Hoffnung, dass Ecuador eine kreative Lösung für das Flüchtlingsproblem finde, während an dem neuen Einwanderungsgesetz noch gearbeitet werde.

Autor: SRJM in Adital; Deutsche Bearbeitung: Bettina Hoyer