Mexiko |

Innenminister stirbt bei Absturz

Vor einigen Tagen noch twittere Francisco Blake Mora im Gedenken an seinen vor drei Jahren abgestürzten Amtsvorgänger; am Freitag ereilte den mexikanischen Innenminister das gleiche Schicksal. Sein Hubschrauber stürzte auf einem Flug zwischen der Hauptstadt und der knapp 100 Kilometer südlich gelegenen Stadt Cuernavaca ab. Augenzeugen berichteten von einem lauten Knall; am Tatort seien nur noch Trümmer von der Kabine des 30 Jahre alten Eurocopters Super Puma übriggeblieben. Zusammen mit Blake Mora starben sieben weitere Mitarbeiter und Leibwächter. Der Innenminister steht hierarchisch an zweiter Stelle der Regierung. Blake Mora galt als enger Vertrauter des Präsidenten und Hardliner im Kampf gegen den Drogenhandel. Der Anwalt aus der nördlichen Grenzstadt Tijuana hinterlässt eine Witwe und zwei Waisen. In Mexiko begannen umgehend Spekulationen über ein Attentat. Es bekannte sich jedoch zunächst niemand dazu.

Der 45jährige hatte erst vor einem Jahr sein Amt angetreten und ist bereits der vierte Innenminister in fünf Jahren Amtszeit von Präsident Felipe Calderón. Zwei mussten wegen politischen Skandalen zurücktreten, der dritte, Juan Camilo Mouriño, kam bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Präsident Felipe Calderón, der wenige Stunden nach dem Unglück eine Rede an die Nation hielt und die Verstorbenen würdigte, erklärte, alles deute auf einen Unfall hin. Zum Zeitpunkt des Absturzes hätten Nebel und Wolken in den Bergen die Sicht behindert. Endgültige Klarheit würden aber erst die Ermittlungen bringen. Der Hubschrauber gehörte zur offiziellen Regierungsflotte, war erst neulich gewartet worden, und der Pilot galt als erfahren.

Er ist bereits der dritte Minister, der in den vergangenen sechs Jahren abstürzt. Mouriño starb beim Landeanflug auf Mexiko-Stadt in einem Privatjet, der auf eine belebte Hauptstrasse stürzte. Den Ermittlungen zufolge war das Kleinflugzeug in der Einflugschneise zu dicht auf ein grosses Passagierflugzeug aufgeflogen und in Turbulenzen geraten. Nach dem Unglück deckte die Presse zahlreiche Ungereimtheiten auf, so war das Flugzeug nur angemietet und hatte eine Vorgeschichte von Pannen; der Pilot hatte nicht genügend Flugstunden auf dem Modell, und Hobbypilot Mouriño übernahm anscheinend gerne selbst das Steuer und spielte mit dem Erwerb einer eigenen Fluglinie.

2006 stürzte der damalige Sicherheitsminister Ramón Martín Huerta ebenfalls mit einem Hubschrauber ausserhalb von Mexiko-Stadt ab. Wegen der ständigen Verkehrsstaus sind Hubschrauberflüge bei mexikanischen Funktionären beliebt. Experten zufolge ist die offizielle Flotte veraltet. Beim jetzigen Absturz sei der Hubschrauber von der geplanten Flugroute abgekommen, so eine Präsidialamtssprecherin. Bürgermeister Marcelo Ebrard erklärte, es habe sich um eine alternative Strecke gehandelt, wenn auf der Standardroute zu viel Nebel sei.

Zahlreiche Staatschefs aus der ganzen Welt sprachen der Regierung ihr Beileid aus, darunter US-Präsident Barack Obama. Präsident Calderón sagte seine geplante Reise zum Apec-Gipfel nach Hawaii ab. Er muss nun einen Nachfolger für Blake benennen. Einen Kurswechsel erwarten Beobachter allerdings nicht. „Das Innenministerium spielt im Drogenkrieg nur eine Nebenrolle verglichen mit dem Präsidialamt und dem Verteidigungsministerium“, so Erubiel Tirado von der Iberoamerikanischen Universität. Eine Schlüsselposition habe das Ministerium aber bei der Koordination mit den Bundesstaaten und dem Kongress – insbesondere im Vorfeld der Präsidentschaftswahl kommendes Jahr. (sw)