Kolumbien |

Indigene Teilhabe gefordert - 'Abya Yala' ergreift das Wort

Indigene Führer sind es leid, von ihren Regierungen auf eine folkloristische Rolle reduziert zu werden. Auf ihrem jüngsten Gipfel als Teil des Sozialforums im kolumbianischen Cartagena de Indias kündigten sie deshalb an, in den nächsten drei Jahren einen Rat indigener Sozialverbände auf die Beine zu stellen, der einen horizontalen Dialog mit den Mitgliedstaaten der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) ermöglichen soll.

"Wir wollen nicht mehr als folkloristische Aspekte der Demokratie betrachtet werden", meinte Luis Evelis Andrade, Chefberater der Nationalen Indigenenorganisation Kolumbiens (ONIC), im Gespräch mit IPS. "Wir wollen, dass sich die Staaten auch auf unseren Territorien an demokratische Spielregeln halten und uns als Subjekte mit Rechten betrachten und anerkennen."

Andrade hatte die Abschlusserklärung des Vierten Gipfels indigener Führer vom 11. bis 12. April verlesen, in der die autochthonen Völker des amerikanischen Kontinents den Schutz ihrer Menschen- und kulturellen Rechte, die Mitsprache bei Rohstoff- und Infrastrukturprojekten in ihren Gebieten und die Berücksichtigung bei Lösungen zur Bekämpfung des Klimawandels forderten.

Respektlosigkeit durch zweierlei Maß

Auch die Legalisierung des Koka-Konsums war ein Anliegen der Führer. "Wie kann es sein, dass Tabak und Alkohol in unseren Territorien erlaubt sind, eine Jahrhunderte alte Tradition wie das Kauen von Koka-Blättern jedoch von unseren Regierungen kriminalisiert wird?", fragte Miguel Palacín, der Koordinator der indigenen Andenbewohner (CAOI).

Die Abschlusserklärung der Führer sollte eigentlich im Fernsehen ausgestrahlt werden. Doch in dem Moment, in dem Andrade die kulturell-sakrale Bedeutung von Kokablätter für die Ureinwohner hervorhob, wurde die Übertragung unterbrochen. Die Führerin von Kolumbiens ethnischen Kankuama, Silsa Arias, sprach daraufhin von einem "Sabotageakt gegen indigene Worte".

Aus dem Pressebüro des kolumbianischen Außenministeriums hieß es, die Präsentation der Abschlusserklärung konnte wegen eines Stromausfalls in den Räumlichkeiten, in denen das Sozialforum abgehalten wurde, nicht aufgenommen werden.

70 indigene Völkerdes amerikanischen Kontinents vom Aussterben bedroht

Der Blackout ereignete sich kurz vor der Ankunft des kolumbianischen Präsidenten Juan Manuel Santos und seines bolivianischen Amtskollegen Evo Morales zur Abschlusssitzung des Sozialforums und zum Sechsten Amerika-Gipfel vom 14. bis 15. April, der ebenfalls in Cartagena de Indias stattfand.

Zu dem Gipfeltreffen indigener Führer hatten sich 244 Indigenen-Führer aus Argentinien, Barbados, Boliven, Chile, Ecuador, El Salvador, Honduras, Kanada, Kolumbien, Mexiko, Panama, Paraguay, Peru, Suriname, den USA und Venezuela eingefunden. Sie berichteten, dass 70 indigene Völker des amerikanischen Kontinents vom Aussterben bedroht seien. Deshalb forderten sie die OAS-Mitgliedsländer auf, die UN-Deklaration der Rechte der indigenen Völker zu unterzeichnen. Der Erklärung hatten 2007 143 Länder der UN-Vollversammlung zugestimmt. Der Ratifizierungsprozess ist noch nicht abgeschlossen.

Leere Versprechen

Wie Andrade erläuterte, haben Länder wie El Salvador die Erklärung noch nicht ratifiziert. Andere hätten den Schritt zwar vollzogen, hielten sich aber nicht an die damit eingegangenen Verpflichtungen. Kritik wurde auf dem Indigenengipfel auch an dem Versagen der amerikanischen Staaten laut, die Millenniumsentwicklungsziele zur Armutsbekämpfung (MDGs) fristgerecht bis 2015 zu erreichen und die digitale und technologische Kluft zu schließen.

Morales, der erste indigene Präsident Boliviens, hatte auf der Abschlussveranstaltung des Sozialforums die Bedeutung einer "Nationalisierung der natürlichen Ressourcen" als einen Weg unterstrichen, den Klimawandel zu bekämpfen. Letztendlich seien es Gemeinschaften, die die Reichtümer der Erde verwalten sollten."

Autorin: Camilo Segura Álvarez, deutsche Bearbeitung: Karina Böckmann, Quelle: IPS

Teilnehmerin des Indigenengipfels. Foto: Camilo Segura/IPS