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Ideen zur Landverteilung gesucht

Buenos Aires. Ureinwohner und Kleinbauern, die sich in Initiativen für Landbesitzrechte engagieren, sind zur Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb aufgerufen. "Land ist für Arme ein wichtiges Kapital", erklärte die US‐Organisation ´Ashoka Changemakers´, die das Ausschreiben gemeinsam mit dem ´Omidhyar Network´ angestoßen hat.

Das Netzwerk stiftet ein Preisgeld in Höhe von 150.000 Dollar. Ein Recht auf Landbesitz eröffne neue wirtschaftliche Perspektiven, stärke die Identität und schütze die persönliche Würde, betonten die Organisatoren. Bis zum 3. November können sich Teilnehmer mit ihren Projekten bewerben. Die drei besten Initiativen zum Thema sollen mit jeweils 50.000 US‐Dollar prämiert werden.

Nobelpreisträgerin in der Jury

In der Jury sitzt neben dem Omidyar‐Direktor Matt Bannick unter anderem auch die Wirtschaftsnobelpreisträgerin von 2009, Elinor Ostrom, und die Inderin Amrita Patel, die sich für die Entwicklung der Milchwirtschaft auf dem Subkontinent einsetzt. Ashoka bringt soziale Akteure in aller Welt zusammen und versucht, die dringlichsten gesellschaftlichen Probleme stärker in den Fokus der öffentlichkeit zu rücken.

Das ´Omidyar Network´ wurde von Pierre Omydyar, dem Gründer der Internet‐Verkaufsplattform Ebay ins Leben gerufen, und versteht sich als "philantropische Vereinigung". Ihr Ziel ist es, Organisationen zu unterstützen, die die wirtschaftliche und soziale Entwicklung fördern wollen. Der Wettbewerb soll diejenigen ansprechen, die Initiativen zur Landverteilung an arme Bauern ergriffen haben und sich um die Anerkennung von Eigentumsrechten einsetzen. In diesem Bereich sind bereits Tausende Umwelt‐ und Bürgergruppen sowie Religionsgemeinschaften aktiv. Sie wollen insbesondere Ureinwohnern zu einem verbrieften Recht auf das von ihnen seit Generationen bewohnte Land verhelfen.

Bisher nur sechs Vorschläge aus Lateinamerika

Seitdem der Wettbewerb im August in Washington ausgelobt wurde, sind rund 50 Projekte eingereicht worden. Die meisten Teilnehmer kommen aus Asien und Afrika. Lediglich sechs Initiativen aus Lateinamerika wurden präsentiert: vier aus Brasilien, eine aus Kolumbien und eine weitere aus Nicaragua. Laut einem in diesem Jahr veröffentlichten Bericht der Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (Cepal) leben in der Region etwa 30 Millionen Ureinwohner, die insgesamt mehr als 670 Völkern angehören. Die meisten haben Schwierigkeiten damit, Besitzansprüche auf Land geltend zu machen.

Unter anderem bewarb sich die nichtstaatliche Organisation ´Catcomm´ aus Rio de Janeiro, die Slumbewohner über deren Eigentumsrechte informiert. Zahlreiche Menschen in der Stadt drohen ihre Bleibe zu verlieren, da sie bei den Vorbereitungen für die Olympischen Spiele 2016 wahrscheinlich umgesiedelt werden. Die Vereinigung ´Agros Internacional´ setzt sich für Bauern in Nicaragua ein, um den Kreislauf der Armut in dem zentralamerikanischen Land zu durchbrechen.

Mehrere Organisationen in Argentinien

Obwohl sich keine Initiativen aus Argentinien um den Preis bewarben, sind in dem südamerikanischen Land doch mehrere Organisationen mit dem Thema befasst. Zu ihnen gehört ´Equipo Nacional de Pastoral Aborigen´, deren Leiterin Roxana Silva wegen ihres Engagements für die Pilagá‐Ethnie in der nordwestlichen Provinz Formosa bereits Drohungen erhielt. "Die Eigentumstitel, die die Pilagá besitzen, garantieren ihnen noch kein Recht auf ihr Land", stellte Silva im Gespräch mit IPS fest. Da die Indigenen sich bisher nicht genug Gehör in der öffentlichkeit verschaffen konnten, werden auf ihren Territorien staatliche Infrastrukturprojekte vorangetrieben.

Die Lateinamerika‐Koordinatorin von ´Ashoka Changemakers´, Victoria Emanuelli, will kurz vor Bewerbungsschluss noch mehr Gruppen aus der Region zu einer Teilnahme an dem Wettbewerb animieren. "In Lateinamerika gibt es viele Probleme im Zusammenhang mit Eigentumsrechten", erklärte sie. Betroffen seien nicht nur Ureinwohner, sondern auch Kleinbauern in Kolumbien, die durch den Bürgerkrieg von ihrem Land vertrieben wurden, und die Landlosen in Brasilien, sagte sie.

Millionen Bauern werden zudem durch die Ausweitung von Monokulturen immer weiter abgedrängt. Sie haben keinen Zugang zu Krediten und verfügen nicht über die notwendigen Arbeitsgeräte." Wir wollen Organisationen, die Ureinwohnern und Kleinbauern den Zugang zu Land verschaffen wollen, zu mehr Bekanntheit verhelfen", sagte Emanuelli. "Darüber hinaus wollen wir den betroffenen Gemeinden beratend zur Seite stehen."

Autorin: Marcela Valente, Deutsche Bearbeitung: Corina Kolbe (IPS)

Update: Mittlerweile wurden 120 Projekte eingereicht. 17 wurden aus Lateinamerika vorgeschlagen, darunter auch zwei aus Argentinien.