Argentinien |

Hohe Sterblichkeitsrate durch Gebärmutterhalskrebs

Trotz aller Fortschritte bei der Früherkennung sterben in Argentinien immer noch viele Frauen an Gebärmutterhalskrebs, weil sie nicht gut genug über die Krankheit Bescheid wissen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie, die in den Provinzen des Landes durchgeführt wurde, in denen die Krebsart besonders viele Todesopfer fordert.

Der Unterleibskrebs tritt in den verschiedenen Regionen des südamerikanischen Landes mit unterschiedlicher Häufigkeit auf. Gibt es für erwachsene Frauen keinen Impfschutz vor einer Infektion mit dem Humanen Papillomavirus (HPV), ist die Immunisierung junger Mädchen verpflichtend und kostenfrei.

Die Experten kamen allerdings zu dem Schluss, dass den wenigsten Argentinierinnen die Risiken der Erkrankung bekannt sind. Viele wüssten nicht, dass das durch Geschlechtsverkehr übertragene Virus Gebärmutterhalskrebs verursachen könne, heißt es in der Untersuchung ´Was Frauen denken: Wissen und Wahrnehmung von Zervixkarzinomen und dem Pap-Test´. Herausgeber sind das argentinische Gesundheitsministerium und die Panamerikanische Gesundheitsorganisation (PAHO).

Bei Nichtbehandlung zumeist tödlich

Forschungen ergaben, dass anhaltende Infektionen mit bestimmten Typen von HPV fast alle Formen von Gebärmutterhalskrebs auslösen. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO führen invasive Zervixkarzinome unbehandelt in fast allen Fällen zum Tode. Die Untersuchung von Gewebeproben im Labor kann Vorstufen von Krebs aufzeigen, bevor sie bösartig werden. Wenn rasch gehandelt wird, kann diese Erkenntnis Leben retten.

Ziel der Studie sei es gewesen, herauszufinden, was Frauen über den Krebs wüssten. Diese Ansichten sollten bei der Entwicklung neuer Präventionsstrategien helfen, erklärte die Medizinerin Silvana Arrossi, eine der Autorinnen der Untersuchung.

In Argentinien ist Gebärmutterhalskrebs die Krebsart mit der zweithöchsten Todesrate bei Frauen zwischen 35 und 64 Jahren. Für die Studie wurden Frauen in der am dichtesten bevölkerten Provinz Buenos Aires im Osten sowie in den nördlich gelegenen Provinzen Jujuy, Salta, Misiones und Chaco befragt. Dort wurde die höchste Mortalität bei Zervixkarzinomen festgestellt.

Der landesweite Durchschnitt liegt statistisch gesehen bei 7,5 Todesfällen pro 100.000 Frauen. In den vier nördlichen Provinzen klettert die Rate jedoch auf 15 pro 100.000. In der Hauptstadt Buenos Aires liegt sie hingegen nur bei vier pro 100.000.

Wie die Experten bei den Interviews feststellten, sind viele Frauen davon überzeugt, dass der Krebs in einem latenten Stadium immer im Körper vorhanden ist und durch bestimmte Ereignisse wie gewaltsamer Geschlechtsverkehr, Abtreibungen oder die Einsetzung von Spiralen hervorgerufen wird. Auch der Pap-Test wurde als Krebs auslösender Eingriff gesehen. Eine Frau erzählte, dass ihre 52-jährige Schwiegermutter aus diesem Grund noch nie einen Test habe machen lassen.

Ein weiteres Missverständnis besteht darin, dass Frauen, die keinen Sex mehr haben, die Notwendigkeit der Untersuchungen nicht mehr einsehen. "Mir fehlt doch nichts, warum soll ich also zum Arzt gehen?", meinte eine der Interviewten.

Die Studie brachte außerdem ans Licht, dass viele Frauen nicht wissen, dass es Vorsorgeuntersuchungen gibt. Eine 38-jährige Mutter von neun Kindern aus Chaco habe niemals einen Pap-Test machen lassen, obwohl sie zu Untersuchungen während der Schwangerschaften und zu den Geburten im Krankenhaus war. Wie die Autorinnen kritisierten, hat hier offensichtlich das Gesundheitssystem versagt.

Gravierendes Aufklärungsdefizit

Die meisten Argentinierinnen informieren sich über Fernsehen und Radio sowie durch Gespräche mit anderen Frauen über den Krebs. Die Gesundheitsbehörden spielen für sie in diesem Zusammenhang offenbar nur eine untergeordnete Rolle. Zahlreiche Betroffene seien davon überzeugt gewesen, dass es gegen den Krebs kein Heilmittel gebe. Die Autorinnen der Studie stellten außerdem fest, dass viele Frauen, die sich testen ließen, die Ergebnisse nicht abholten.

Seit Oktober 2011 schreibt das Gesundheitsministerium eine Reihe von Routineimpfungen für junge Mädchen vor. Arrossi glaubt, dass diese Impfkampagne das Wissen um die Gefahren durch die Krankheit weiterverbreiten wird. Sie und die anderen beiden Verfasserinnen der Studie, Nina Zamberlin und Laura Thouyaret, bedauern, dass die effizienten und kostengünstigen Früherkennungsmethoden die Ausbreitung des Krebses bisher nicht eindämmen konnten.

"Die Mortalität bei Gebärmutterhalskrebs hat in Argentinien in den vergangenen 40 Jahren nicht wesentlich abgenommen", heißt es in der Untersuchung. 2009 hatte das Gesundheitsministerium ermittelt, dass nur 46 Prozent aller Frauen zwischen 35 und 64 Jahren im Nordosten und Nordwesten des Landes innerhalb der letzten zwei Jahre vor der Studie einen Pap-Test vornehmen ließen. Mitarbeiter von Gesundheitszentren sollen nun eingehend geschult werden, um den Frauen alle notwendigen Informationen zu vermitteln.

Quelle: Marcela Valente IPS
Deutsche Bearbeitung: Corina Kolbe