Kolumbien |

Hoffnung auf Friedensgespräche mit FARC wächst

Die Bilder für die Geschichtsbücher bekamen die Kolumbianer zur Mittagspause zu sehen: Zunächst trat am 4. September in Bogota Präsident Juan Manuel Santos vor die Kameras, dann folgte in der kubanischen Hauptstadt Havanna der Kommandant der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC), Comandante Timochenko. Ihre Aussagen bekräftigen die Hoffnung, dass der jahrzehntelange bewaffnete Konflikt zwischen dem kolumbianischen Staat und der Guerilla auf dem Verhandlungsweg ein Ende finden könnte. Im Oktober sollen in Oslo die Gespräche beginnen.

"Jeder verantwortungsvoll Regierende weiß, dass er eine solche Gelegenheit, den Konflikt zu beenden, nicht vorbeigehen lassen darf", erklärte Santos. "In dieser Stunde reichen wir uns unsere Hände zur Versöhnung. Ein anderes Kolumbien ist möglich, und alle zusammen können wir es entwerfen", so der oberste Guerrillero Rodrigo Londono Echeverry alias "Comandante Timochenko".

Die kolumbianische Regierung bietet zu den Verhandlungen jede Menge nationale Prominenz auf. Wie die Tageszeitung "El Tiempo" berichtet, sitzen neben dem langjährigen Vorsitzenden des Industrieverbandes, Luis Carlos Villegas, auch Ex-Polizeichef Oscar Naranjo sowie der ehemalige und der neue Friedenskommissar, Frank Pearl und Sergio Jaramillo, am Verhandlungstisch. Auf Seiten der FARC wird Ivan Marquez, Mitglied im Sekretariat der Guerilla-Organisation, an der von Präsident Santos ausgerufenen "zweiten Phase" des Prozesses teilnehmen. Spekuliert wird, ob auch die der FARC nahestehende Oppositionspolitikerin Piedad Cordoba teilnimmt, die in den vergangenen Jahren an Verhandlungen für zahlreiche Geiselfreilassungen beteiligt war.

Friedensentwicklung macht Papstbesuch in Kolumbien wahrscheinlicher

Die katholische Kirche verfolgt den Prozess mit großer Spannung: "Das Papst hat sich sehr besorgt nach dem Schicksal der Geiseln erkundigt und sich auch über die Lage der indigenen Ureinwohner informiert", sagte Erzbischof Dario de Jesus Monsalve dem Radiosender RCN. Der Erzbischof von Cali gehört zu einer Delegation kolumbianischer Bischöfe, die sich derzeit im Vatikan aufhält und Benedikt XVI. über die Fortschritte im Friedensprozess informiert. Womöglich forciert die aktuelle Entwicklung auch die Pläne für einen Kolumbien-Besuch des Kirchenoberhauptes im kommenden Jahr. Zumindest spekulieren kolumbianische Medien bereits über Barranquilla und Cali als mögliche Besuchsorte. Im Rahmen seiner Brasilien-Reise im Juli 2013 zum Weltjugendtag in Rio könnte Benedikt XVI. auch in Kolumbien Station machen, heißt es.

"Wir sind überzeugt, dass der Dialog der einzige Weg ist, um zu Frieden zu gelangen", skizziert der Vorsitzende der Kolumbianischen Bischofskonferenz, Erzbischof Ruben Salazar Gomez von Bogota, die Position der kolumbianischen Bischöfe. Zugleich sicherte er kürzlich der Gesprächsinitiative der Regierung volle Unterstützung zu. Die Kirche stehe bereit, um ihren Anteil an Bemühungen um ein friedliches Ende des Konfliktes und eine Versöhnung der kolumbianischen Gesellschaft zu leisten.

Beteiligung der Kirche im Friedensprozess bisher noch unklar

Welche Rolle die Kirche konkret bei den Verhandlungen spielen soll, ist allerdings ungewiss. Eine direkte Beteiligung ist derzeit nicht geplant: "Der Staatspräsident hat uns immer gesagt, dass es wichtig sei, dass die Kirche an einem solchen Prozess teilnehme, doch bislang hat er sich noch nicht gemeldet", so der frühere Generalsekretär der Bischofskonferenz, Bischof Juan Vicente Cordoba Villota von Fontibon.

Hinter den Kulissen werden derzeit die Weichen gestellt. Sollten die Verhandlungen in Oslo erfolgreich sein, könnten sich die jahrzehntelangen Kontrahenten schon bald an gleicher Stelle wiedersehen. Denn nicht wenige kolumbianische Medien spekulieren, Santos und Timochenko seien dann bereits ernsthafte Kandidaten für den Friedensnobelpreis.

Quelle: KNA, Autor: Tobias Käufer

Präsident Santos gilt bei erfolgreichen Verhandlungen als ernsthafter Kandidat für den Friedensnobelpreis. Foto: Flickr/Centre for American Progress