Kolumbien |

Hoffen auf ein Weihnachtswunder

Bogotá. Seit mehr als zwölf Jahren hat Pablo Emilio Moncayo kein Weihnachtsfest mehr in Freiheit erlebt: Der Unteroffizier einer Kommunikationseinheit der kolumbianischen Militärs war 1997 während eines Gefechts mit den "Revolutionären Streitkräften Kolumbiens" (Farc) in die Gewalt der ältesten Guerilla-Organisation des Landes geraten.

Seitdem wartet die Familie des Soldaten, der mehr als ein Drittel seines Lebens als Geisel unter erbärmlichen Bedingungen irgendwo in den Bergen des südamerikanischen Landes verbringen muss, vergeblich auf dessen Freilassung. Vor allem Vater Gustavo Moncayo sorgt mit immer neuen Aktionen dafür, dass sein Sohn nicht in Vergessenheit gerät. Mit einem Friedensmarsch avancierte der tapfere Mann mit dem grauen Haar mittlerweile zu einer national anerkannten Symbolfigur für die Leiden der immer noch fast 3000 Geiseln, die sich teilweise seit Jahren in der Gewalt der verschiedenen illegalen Gruppen des Landes aufhalten. Linke Guerillas und rechte Paramilitärs erpressen mit ihrer grausamen Entführungsindustrie hohe Lösegelder, um den Kampf gegen den Staat zu finanzieren.

Nun aber scheint das scheinbar endlose Martyrium des Pablo Emilio Moncayo endlich zu Ende zu gehen und mit ihm auch das zuletzt zurückhaltende Engagement der katholischen Kirche: Vor allem der neue Generalsekretär der Kolumbianischen Bischofskonferenz (CEC), Weihbischof Juan Vicente Córdoba Villota, hat die Kirche als Vermittler im bewaffneten Konflikt wieder hoffähig gemacht, nachdem die Farc die Kirche jahrelang als Verhandlungspartner in humanitären Fragen wegen einer angeblich zu großen Nähe zum konservativen Staatspräsidenten Álvaro Uribe ablehnte.

Bis Weihnachten - so kündigte Weihbischof Córdoba voller Hoffnung an - könne Moncayo vielleicht schon freikommen.

Bereits im April dieses Jahres hatte die Farc versprochen, Moncayo und weitere langjährige Geiseln aus Reihen der Polizei und Armee endlich freizulassen. Allerdings unter der Bedingung, dass die Oppositionspolitikerin Piedad Córdoba die verschleppten Soldaten entgegennimmt. Die liberale Senatorin ist in Kolumbien umstritten: Vom linken Spektrum wird sie als Menschenrechtsaktivistin verehrt, das Uribe-Lager lehnt sie wegen einer angeblich zu großen Nähe zur Farc als Vermittlerin strikt ab.

Uribe, der direkte Verhandlungen mit der Farc ausschließt, weil man "mit Terroristen nicht verhandelt", autorisierte stattdessen die katholische Kirche und das Internationale Rote Kreuz die Geiseln aus der Gewalt der Farc entgegegen zu nehmen. Doch die Gespräche erweisen sich als schwierig und zäh: Viele Vermittler bemühen sich um eine Lösung in dem Fall, doch die unterschiedlichen Einzelinteressen verkomplizieren die ohnehin schwierige Lage weiter und sorgen für ein politisches Geschacher um die Freiheit Monyacos.

Deshalb forderte Weihbischof Córdoba jüngst ein besseres Krisenmanagement: "Wir haben schon zu viel Zeit verloren, wir müssen uns einfach besser austauschen", forderte der CEC-Generalsekretär. Der Hohe Friedenskommissar der Regierung, die Oppositionspolitikerin Piedad Córdoba und das Internationale Rote Kreuz (IRK) müssten sich dringend zusammensetzen, um sich zur Vorbereitung der humanitären Aktion abzusprechen.

Der emeritierte Kurienkardinal Darío Castrillón Hoyos (80) - von Uribe ebenfalls beauftragt mit der Farc zu sprechen - plant unterdessen ein baldiges Treffen mit dem Befehlshaber der kolumbianischen Rebellenarmee FARC, Alfonso Cano. Der Kardinal hofft auf die ganz große Lösung: Der Tageszeitung "El Tiempo" sagte Castrillon, ein Dialog mit der FARC könne nicht nur die Freilassung von Geiseln zum Thema haben, sondern auch ein mögliches Friedensabkommen beinhalten.

Autor: Tobias Käufer