Haiti, Brasilien |

Haitianos suchen Schutz im Regenwald

Vermutet hätte sie hier wohl kaum jemand. Mehr als 700 Haitianer leben derzeit in einer brasilianischen Kleinstadt an der Grenze zu Bolivien, mitten in der Amazonasregion. Auf der Flucht vor dem Chaos in ihrem Heimatland hat es die Gruppe nach einer Reise durch halb Lateinamerika auf der Suche nach Arbeit und besseren Lebensbedingungen schließlich in das kleine Brasileia verschlagen. Hier leben sie nun unter prekären Bedingungen, aber mit der Unterstützung der einheimischen Bevölkerung.

Vor gut einem Jahr begann der Zustrom von Flüchtlingen in die Grenzregion zu Bolivien. Zuerst war die damals noch kleine Gruppe in einer Sporthalle in der Stadt Epitaciolandia untergebracht. Doch dort herrschten nach der Ankunft weiterer Landsleute zuletzt fürchterliche hygienische Zustände, worauf sie nach Brasileia verlegt wurden. Hier sind sie nun in einem für ihre Aufnahme umgebauten Hotel am zentralen Ortsplatz untergebracht.

Doch in dem eigentlich für höchstens 200 Personen ausreichenden Quartier ist es erschreckend eng, und die Ankunft immer neuer Flüchtlinge aus dem von fortlaufenden Katastrophen heimgesuchten Haiti verschlimmert die Situation zusehends, wie eine Reportage des Online-Nachrichtenmagazins Terra berichtet. Ihre Reise führte die Flüchtlinge zuerst in die an Haiti angrenzende Dominikanische Republik, von wo aus sie nach Panama übersetzten. Danach reisten sie über Ekuador und Peru weiter nach Bolivien.

Flüchtlinge wurden beraubt und misshandelt

Hier erlitten die Flüchtlinge nach eigenen Angaben eine grausame Behandlung durch die bolivianische Polizei. Zahlreiche Frauen seien von Grenzpolizisten in der bolivianischen Stadt Soberania vergewaltigt worden, die Gruppe wurde zudem um Hab und Gut gebracht und misshandelt. Andere Flüchtlinge berichten, dass sie in Peru Hunger gelitten haben. Erst in Brasilien sei die Gruppe, der mittlerweile 20 Kinder angehören, auf Solidarität seitens der einheimischen Bevölkerung gestoßen. Dadurch sei eine humanitäre Tragödie vermieden worden, so Repräsentanten der Flüchtlinge.

Mittlerweile haben einige von ihnen in Brasileia Aushilfsjobs gefunden. Zudem versorgt die Landesregierung des Bundesstaates Acre die Flüchtlinge mit Lebensmittelpaketen, was die schlimmste Not lindert. Doch vor einigen Tagen hat die Regierung von Acre angekündigt, am 30. Dezember die Hilfslieferungen an die Haitianos einzustellen. Man sei nicht mehr in der Lage, die Hilfe aus eigener Kraft zu leisten, so die Regierung, die Brasiliens Bundesregierung in Brasilia um Unterstützung gebeten hat. Bisher jedoch vergeblich.

Menschenrechtsvertreter fordern Aufenthaltsgenehmigungen für Flüchtlinge

Acres Gouverneur verlangt zudem von der Bundesregierung, dass die Grenzregion zu Bolivien als "humanitäres Krisengebiet" anerkannt wird, um internationale Hilfe zu ermöglichen. Zudem fordern Menschenrechtsvertreter die Regierung auf, die legale Einreise der Haitianer zu erleichtern und ihnen Aufenthaltsgenehmigungen und den Flüchtlingsstatus zu erteilen. Bisher habe die Regierung jedoch nichts unternommen. Mit ihrer Passivität gegenüber der dramatischen Situation verstoße die Regierung in Brasilia laut der Staatsanwaltschaft des Bundesstaates Acre gegen internationale Flüchtlingskonventionen. Die Flüchtlinge seien gezwungen, illegal nach Brasilien einzureisen, wobei sie Drogenrouten durch den Urwald benutzen und damit ihr Leben aufs Spiel setzen würden.

Autor: Thomas Milz

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