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Globetrotterin aus Costa Rica wird neue UN-Klimachefin

Puebla. Ihre Unterstützergruppe auf Facebook hatte zuletzt 2899 Mitglieder. Weniger als so mancher private Nutzer Freunde hat. Auch sonst gilt Christiana Figueres zwar als anerkannte Fachfrau in Sachen Klimaschutz, doch in den Vordergrund drängte sie sich bislang selten. Sie ist eher diejenige, die hinter den Kulissen vermittelt, kontroverse Diskussionspanel leitet und innovative Lösungen erarbeitet wie das Programm zu den Co2-Zertifikaten für Lateinamerika. Das dürfte einer der Gründe dafür sein, dass UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sie zur neuen Klimachefin ernannt hat. Denn um die Klimaschutzverhandlungen aus der Sackgasse zu manövrieren, braucht es jetzt vor allem eines: diplomatisches Geschick. „Wir müssen Vertrauen schaffen“, hat die 53jährige festgestellt. Zwischen Wissenschaftlern, dem Weltklimarat, den Regierungen und zwischen dem Norden und Süden bestehe großes Misstrauen., das abgebaut werden müsse, um den nötigen Schritt nach vorne zu tun.

Figueres hält sich dafür besonders berufen, denn sie stammt aus Costa Rica – und das dürfte in der Tat der zweite Grund für ihre Ernennung gewesen sein. Costa Rica gehört als mittelamerikanisches Land zwar zu Lateinamerika und damit zu den Entwicklungs-und Schwellenländern, gleichzeitig ist das Land in vielem aber deutlich weiter als die meisten Staaten Lateinamerikas, Afrikas und Asiens und setzt seit Jahrzehnten auf eine umweltverträgliche Politik. So hat sich Costa Rica zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2021 CO2-neutral zu werden, das heißt, ebenso viel Co2 zu absorbieren wie auszustoßen. Figueres Ernennung vermittelt daher den Schwellenländern die klare Botschaft: „mit gutem Willen und einer intelligenten Strategie ist es zu schaffen!“ Vor allem die Schwellenländer waren es, die zusammen mit den USA beim Klimagipfel in Kopenhagen die Verhandlungen scheitern ließen.

Gleichzeitig ist die stets klassisch gekleidete Lady mit dem kantigen Gesicht, die ihr Land seit 1995 in den Klimaverhandlungen repräsentiert, auch für die Industrieländer ein akzeptabler Gesprächspartner. Die Tochter und Schwester costaricanischer Präsidenten spricht sehr gut deutsch: sie besuchte die deutsche Schule in San José und arbeitete später eine Zeitlang an der Botschaft in Bonn. Englisch lernte die Anthropologin in einem Austauschjahr in den USA und später beim Studium an der London School of Ecnomics. Im Rahmen ihres Studiums verbrachte sie ein Jahr bei den Bribri-Indianern, in einer vernachlässigten, unterentwickelten Region im Südosten Costa Ricas und entwarf dort ein kulturell angepasstes Alphabetisierungsprogramm. Dass auch beim Klimaschutz jedes Land eigene, seinen Gegebenheiten angepasste Programme entwerfen muss, diese Idee verdankt die UNO ihr – und ebenso entsprechende konkrete Vorschläge dazu.

Später war sie in verschiedenen Planungsstäben von Ministerien tätig, bevor sie mit ihrem Ehemann in die USA ging und sich dort zunächst ausschließlich den beiden Töchtern widmete. Später sattelte Figueres ein Aufbaustudium in Internationaler Entwicklung an die Georgetown-Universität auf, spezialisierte sich auf den Klimaschutz, veröffentlichte mehrere Arbeiten zu dem Thema und gründete das Zentrum für Nachhaltige Entwicklung in Amerika, deren Direktorin sie acht Jahre war. Figueres beriet Länder wie Guatemala, Panama, Kolumbien, Argentinien, Ecuador, Honduras, El Salvador und die Dominikanische Republik bei der Implementierung von Klimaschutzprogrammen. 2001 erhielt sie für ihr Engagement die Auszeichnung „Held des Planeten“ vom National Geographic Magazine. Auch von den Umweltschutzorganisationen bekommt sie Vorschusslorbeeren. Costa Rica sei mit gutem Beispiel vorangegangen, erklärte Greenpeace. Nun hoffe man, dass es Figueres gelinge, die Gespräche für ein globales Klimaabkommen in Bewegung zu bringen. Ihre Fähigkeiten wird die Diplomatin schon bald unter Beweis stellen müssen: die nächste große Klimakonferenz findet Anfang Dezember in Mexiko statt. Sie gilt als letzte Chance, doch noch zu einem verbindlichen Abkommen über die Reduzierung der Treibhausgase zu kommen.

Autorin: Sandra Weiss