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Gleichberechtigung verbessert das Leben von Männern

Wenn Männer und Frauen eine gleichberechtigte Partnerschaft führen, kann dies die Lebensqualität und Zufriedenheit von beiden verbessern. Eine internationale Studie fand heraus, dass vor allem jüngere Männer mit einer guten Ausbildung eine stärkere Vater- und Ehemannrolle übernehmen und damit ein ausgeglichenes Familienleben fördern.

Zu diesem Ergebnis kam ein Forschungsprojekt zum Thema Männer und Gleichberechtigungspolitik des brasilianischen Instituto Promundo und des Internationalen Forschungszentrums für Frauen (ICRW). Wissenschaftler analysierten in verschiedenen Ländern Geschlechterpolitik, die Stellung und Einstellung von Männern in der Gesellschaft sowie die Rollenverteilung in Partnerschaften. Ziel des Projektes war es, eine Datengrundlage zu präsentieren, an Hand derer Politiker und Institutionen die Gleichberechtigungspolitik ausrichten oder vorhandene Gesetze verbessern können.

Das Forschungsprojekt "Men and Gender Equality Policy Project" umfasst eine Analyse der bestehenden Gesetze zum Thema Gleichberechtigung, Interviews qualitativer Natur mit Männern aus sechs verschiedenen Ländern und eine quantitative Studie, für die mehr als 8000 Männer und 3500 Frauen unterschiedlichen Alters befragt wurden. Untersucht wurden die Länder Brasilien, Chile, Mexiko, Indien, Kroatien und Ruanda.

Gleichberechtigung in der Theorie größer als in der Praxis

Die Ergebnisse zeigen, dass viele Männer Gleichberechtigung auf dem Papier befürworten, dies aber in Wirklichkeit nicht in gleichem Maße leben. Zwischen 34 und 88 Prozent der Männer in den sechs untersuchten Ländern sind laut der Befragungen gestresst, weil sie sich um ihr Einkommen und ihren Arbeitsplatz Sorgen machen.

Daraus folgt häufig eine höhere Gewaltbereitschaft dieser Männer oder übermäßiger Alkoholkonsum. In Brasilien haben 69 Prozent der Männer angegeben, dass sie regelmäßig mehr als fünf alkoholische Getränke pro Abend zu sich nehmen.

Das Familienleben und die Versorgung der Kinder werden größtenteils noch von Frauen bestritten, aber die Studie bestätigt einen Generationenwandel. In Brasilien vertraten zum Beispiel nur zehn Prozent der befragten Männer die Meinung, dass Kinderbetreuung Muttersache sei. Ungefähr die Hälfte aller Männer in Brasilien, Chile und Mexiko gaben an, dass sie im Haushalt genauso viele Tätigkeiten wie ihre Partnerin übernehmen. In Chile gibt es der Studie zufolge besonders viele junge Männer, die ihre Frauen bei der Geburt ihrer Kinder begleiten. Insgesamt tut dies die Mehrheit der Männer in den untersuchten Ländern jedoch nicht.

öffentliche Diskussionen führen nicht häufig genug zu Gesetzesänderungen

Die Analyse der Gesetze zum Thema Gleichberechtigung zeigte, dass zwar in vielen Ländern öffentliche Diskussionen über die Rollenverteilung von Mann und Frau stattfinden, dies aber nicht immer dazu führt, dass sich die Gesetzesgebung ändert. Ein anderes Problem ist, so das Forschungsergebnis, dass Männer nicht in das Bestreben nach Gleichberechtigung miteinbezogen werden. Programme für Frauen werden auch von Frauen durchgeführt. In Mexiko wurde zwar zum Beispiel im Jahre 2008 ein Gesetz für das Recht von Frauen auf ein gewaltfreies Leben erlassen, doch Hilfestellung etwa in Form von Anlaufstellen für hilfesuchende Frauen sind nach Angaben der Publikation „Was Männer damit zu tun haben“ Männer-freie Zone.

Ein weiteres Ergebnis des Projektes war, dass die Gesundheit von Männern eine nebensächliche Rolle spielt und sie mit ihren Problemen sich häufig selbst überlassen sind.

Die Leiter des Projekts fordern als Fazit der Studie in erster Linie eine gemeinsame Anstrengung, um Gleichberechtigung voranzutreiben. Die Rechte von Frauen gegen die von Männern auszuspielen führe zu nichts, so die Autoren. Weiterhin appellierten sie an die Männer, ein größeres Interesse an der Gleichberechtigungsbewegung zu zeigen. So könne auch der Druck auf Männer und Jungen verringern werden, sich einer gefährlichen und einschränkenden Vorstellung von Männlichkeit beugen zu müssen.

Autorin: Julia Mahncke