Venezuela |

Gewerkschafter leben gefährlich

In den vergangenen zwei Jahren sind in Venezuela mindestens 122 Gewerkschafter ermordet worden, davon 32 in diesem Jahr. Dies geht aus einem Bericht hervor, den das Venezolanische Aktions- und Ausbildungsprogramm für Menschenrechte PROVEA und das Vikariat für Menschenrechte in Caracas erstellt haben.

Demnach wurden im Zeitraum zwischen Juni 2008 und August 2010 mindestens 122 Gewerkschafter umgebracht, die Mehrzahl von ihnen starb durch Gewaltakte „die im Zusammenhang mit der Ausübung ihrer Arbeit standen. Sie wurden von Auftragsmördern umgebracht. Vor allem trifft dies auf die Bereiche Erdöl und Bauwesen zu“, heißt es in dem Bericht.

Laut einer von den Organisationen zitierten Studie habe es von 1997 bis zum Jahr 2000 keine Morde an Gewerkschaftern gegeben. Der erste Mord erfolgte im Jahr 2001. Seitdem sei die Mordrate stetig angestiegen. Mehr als 40 Prozent der Delikte werden demnach im Bundesstaat Bolívar verübt.
Provea fordert von der Regierung, die Zunahme der Gewalt im Land zur Kenntnis zu nehmen und Maßnahmen zu deren Bekämpfung zu ergreifen. Das Thema müsse in der Zivilgesellschaft debattiert und es müssten Politiken entwickelt werden, die sowohl auf kurze Sicht als auch langfristig zu einer Änderung der Situation führen, so die Organisation.

Straffreiheit wird von den Organisationen als einer der Hauptgründe für die Zunahme der Gewalt angeführt. Eine andere Ursache für die Zunahme der Morde an Gewerkschaftern sehen die Autoren der Studie in der rechtlichen Situation. So führe Paragraph 53 der Kollektiv-Konvention des Baurechts dazu, dass die Gewerkschaften eher die Arbeitgeberperspektive unterstützten, was Nachteile für die Rechte der Gewerkschaftsmitglieder zur Folge habe. Außerdem habe man durch die aus politischen Motiven heraus gegründeten Gremien und Organisationen "Parallel-Gewerkschaften" geschaffen, die dem gewerkschaftlichen Auftrag jedoch nicht gerecht würden, kritisieren die Menschenrechtsorganisationen.

Auch die Destabilisierung der Gewerkschaften sei Ursache für die steigende Opferzahl: „Zersplitterung, wenig Autonomie, geringe Möglichkeiten politischen Druck auszuüben und die Polarisierung der wichtigsten bereits bestehenden Gewerkschaften haben dazu geführt, dass die Arbeiterbewegungen ihr Hauptaugenmerk nicht auf die Gewalt gegen diese Gewerkschaften legen“, so die Organisationen.
Venezuela gilt insgesamt als eines der gefährlichsten Länder der Welt. Laut einer Untersuchung des Nationalen Amtes für Statistik INE sind im Jahr 2009 in Venezuela 19.133 Morde verübt worden. Außerdem hat es 16.917 Entführungen gegeben. (bh)

Quelle: Adital