Guatemala |

Gewaltsame Vertreibung indigener Bauern

Nach der gewaltsamen Vertreibung von 800 indigenen Bauern aus 14 Q´eqchi´-Gemeinden im Valle del Polochic hat die Bauernorganisation Via Campesina de Guatemala erneut zu landesweiten Protesten aufgerufen. Im Departamento Alto Verapaz im Norden des weltweit fünftgrößten Produzenten von Zucker hatten am Mittwoch 500 Uniformierte von Militär und Bundespolizei einen richterlichen Räumungsbefehl durchgesetzt. Auf Herausgabe hatten die Besitzer des Zuckerunternehmens »Chabil Utzaj« geklagt, die der Familie von Wendy Widmann, Ehegattin von Ex-Präsident Óscar Berger (2004 – 2008) gehört.

»Die Militärs und Polizisten haben auf unsere Kameraden geschossen und ihre Hütten verbrannt«, berichtet Daniel Pascual, Vertreter vom »Komitee vereinter Bauern« (CUC) gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. »Als sie versuchten zu ihrem Besitz und Pflanzungen zurückzukehren, wurden sie angegriffen, es gab zwei Tote und mehr als zehn Verletzte«, so Pascual. Unter den mit Macheten und Gewehren bewaffneten Angreifern seien laut Angaben der Dorfbewohner zudem Paramilitärs aus dem 1996 beendeten Bürgerkriegs erkannt worden sein. Wie Fotos belegen, hat das Militär Bauern der Region für die Räumungsaktion unter Vertrag genommen und ihnen Uniformen angezogen.

Die Zuckerfirma »Chabil Utzaj« hatte ihre Aktivitäten 2005 in das Tal von Polochic verlagert, nachdem sie von der Zentralamerikanischen Bank für wirtschaftliche Integration (BCIE) einen Kredit von 20 Millionen US-Dollar erhalten hatte. 2010 war das Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Die Eigentümer wollen durch eine Versteigerung der jetzt geräumten Ländereien einen Notfondfonds der staatlichen Industriebank BI auffüllen, der für die offenen BCIE-Raten eingesprungen war. Guatemala gilt als einer der wichtigsten Bioethanol-Exporteure in Lateinamerika für die Märkte in den USA und Europa. (bb)

Quelle: Via Campesina Centroamérica