Guatemala, Honduras |

Gewalt gegen Frauen nimmt zu

Die Gewalt gegen Frauen hat in Honduras in diesem Jahr zugenommen. Wie die Sonderstaatsanwältin Grissel Amaya am Montag in Tegucigalpa mitteilte, sind zwischen Januar und August 300 Frauen ermordet oder bei Mordversuchen schwer verletzt worden, 95 davon in der Hauptstadt. Im gesamten Vorjahr waren es 425. Brennpunkte sind demnach Tegucigalpa und San Pedro Sula.

Mehr als drei Viertel der Opfer werden mit Feuerwaffen angegriffen, 14 Prozent mit Messern, und die übrigen erstickt oder erwürgt. Die Ermittler verfügen Amaya zufolge nicht über ausreichend Ressourcen, daher würde nur in drei Prozent der Fälle überhaupt Ermittlungen aufgenommen. Im Vorjahr gab es insgesamt 35 Urteile wegen Misshandlung von Frauen.

Kritik an Straffreiheit

Diese Straffreiheit sei ein Freibrief für die Täter, kritisierte die Frauenrechtlerin Gladys Lanza. Neben der typisch machistischen Gewalt, die von Ehemännern, Lebensgefährten und Sexualstraftätern ausgeht, und bei der die Frauen zu Objekten degradiert werden, haben nun auch die Übergriffe in Zusammenhang mit dem Drogenhandel und der Bandenkriminalität zugenommen. „Manchmal sind Lebenspartner in Delikte verstrickt, und die Frauen müssen an ihrer Stelle sterben“, so Dalila Aguilar von der Koordinationsstelle der Bäuerinnen für den Frieden. Es gebe weder Präventionsprogramme, noch das Bewusstsein staatlicher Stellen, tätig werden zu müssen, sagte der honduranische Ombudsmann, Ramon Custodio.

Vor allem junge Frauen Opfer

In Mittelamerika steht das größte und bevölkerungsreichste Land Guatemala an erster Stelle bei den Frauenmorden mit rund 700 jährlich, dicht gefolgt von Honduras. In beiden Ländern werden rund 40 Frauen pro einer Million Einwohner ermordet; der internationale Durchschnitt liegt bei 19.

Frauenorganisationen zeigten sich besorgt, weil die Mordrate an Frauen schneller steigt als an Männern und besonders häufig junge Frauen zwischen 16 und 30 Jahren trifft, die oftmals Kinder zurücklassen. Das ist besonders dramatisch, da in vielen Fällern die Mütter alleinerziehend sind. In den ersten drei Monaten des Jahres wurden so 100 Kinder in Honduras zu Waisen. (saw)

 

Weitere Nachrichten zu: