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Gewalt eskaliert im Nordosten 

Drogenbande, Brasilien, Gefängnis

Jugendliche im "Centro de Socioeducacao Dom Bosco", einem Untersuchungsgefängnis für Straftäter unter 18 Jahren in Rio de Janeiro. (Symbolfoto: Adveniat/Bastian Hennings)

Wegen einer von Drogenbanden angezettelten Gewaltwelle schickt Brasiliens neue Regierung weitere Sicherheitskräfte in den nordöstlichen Teilstaat Ceara. Den bereits am Wochenende entsandten 400 Soldaten und Polizisten sollen laut örtlichen Medienberichten (Dienstag) weitere 200 folgen. Seit Mittwoch haben Drogenbanden mehr als 150 Angriffe gestartet, nachdem die Regionalregierung verschärfte Sicherheitsvorkehrungen in Gefängnissen angekündigt hatte.

So setzten die Täter zahlreiche öffentliche Gebäude, Busse, Geschäfte und Banken in der Hauptstadt Fortaleza sowie im Hinterland des Bundesstaates in Brand. Wegen der Anschläge kamen der öffentliche Personennahverkehr und die Müllabfuhr fast vollständig zum Erliegen. Bisher nahmen die Behörden nach eigenen Angaben rund 150 Personen fest.

Handyverbot führte zu Unruhen

Auslöser der Unruhen war die Ankündigung der Regionalregierung von Ceara, den Gebrauch von Mobiltelefonen in den Haftanstalten zu unterbinden. Die dort einsitzenden Drogenchefs koordinieren ihre Geschäfte mithilfe der Telefone. In den vergangenen Tagen sollen mehr als 400 Handys in den Gefängnissen beschlagnahmt worden sein. Daraufhin beschlossen laut Medienberichten zwei rivalisierende Banden einen Pakt, um gemeinsam Angriffe gegen die Behörden zu koordinieren.

Diese kündigten unterdessen an, mit der Verlegung von Drogenbossen in Hochsicherheitsgefängnisse zu beginnen. Laut dem neuen brasilianischen Justizminister Sergio Moro sollen zu diesem Zweck 20 spezielle Haftplätze eingerichtet werden. Die am 1. Januar angetretene neue Zentralregierung unter Präsident Jair Messias Bolsonaro hat den Kampf gegen das organisierte Verbrechen zu einer ihrer Hauptaufgaben erklärt. Der Teilstaat Ceara gilt mit seinen Stränden als eines der beliebtesten Urlaubsgebiete Brasiliens. In den vergangenen Jahren nahm jedoch die Gewalt deutlich zu. Mit mehr als 59 Tötungsdelikten jährlich pro 100.000 Einwohner gehörte Ceara zuletzt zu den drei gewalttätigsten Bundesstaaten Brasiliens. Grund sind vor allem Revierkämpfe rivalisierender Drogenbanden. (KNA)

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