Argentinien |

Gerechtigkeit für Käsemann

Argentiniens Justiz hat am Donnerstag Ex-General Héctor Gamen (84 Jahre) und Ex-Leutnant Huga Pascarelli (81 Jahre) für ihre Verbrechen während der Militärdiktatur 1976 bis 1983 verurteilt. Die 4. Strafkammer des Bundesgerichtes in Buenos Aires sah es nach über 18 Monaten Hauptverhandlung als erwiesen an, dass die beiden die deutsche Politaktivistin Elisabeth Käsemann im Folterzentrum »El Vesubio« zu Tode gefoltert hatten. Wegen Mordes und Freiheitsberaubung wurden die Ex-Militärs zu lebenslanger beziehungsweise zwanzig Jahre und sechs Monate Freiheitsstrafe verurteilt.

Gegenüber der Menschenrechtsorganisation »European Center for Constitutional and Human Rights« (ECCHR), die sich weltweit um die juristische Aufarbeitung von Diktaturen einsetzt, sagte die Nichte der Ermordeten und Historikerin Dorothee Weitbrecht: »Mit der persönlichen Freude über die argentinischen Prozesse und diesen Akt global ausgeübter Rechtsstaatlichkeit verbindet sich meine Hoffnung, dass das Auswärtige Amt in einer Reaktion auf die argentinische Aufarbeitung nun mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung seiner Diplomatie in den 70er und den 80er Jahren beginnt.«

ECHHR-Präsident Wolfgang Kaleck begrüßte das Urteil, bezeichnete es aber als »spät«. Seit 1977 hätten sich die mittlerweile verstorbenen Eltern Käsemann für die Aufklärung des Verbrechens eingesetzt. Haupttäter und Folterzentrums-Chef Duran Saenz habe sich mit seinem Tod vor wenigen Tagen seiner Verantwortung entzogen. Käsemann war nach ihrer Verhaftung im März 1977 verschwunden, ihre Leiche wurde mit Folterspuren Ende Mai in der Nähe des Ortes Monte Grande aufgefunden. Kritiker werfen der damaligen Bundesregierung mangelndes Engagement zur Freilassung der Deutschen gegenüber der Militärjunta vor. (bb)

Webseite der Menschenrechtsorganisation ECCHR: www.ecchr.eu