Mexiko |

Gendatenbanken sollen Schicksal Verschwundener klären

Gentests, Ethiktribunale und diplomatischer Druck sind die neuen Waffen, mit denen unabhängige Organisationen Übergriffe auf Migranten ohne Papiere in Mexiko und in den USA bekämpfen wollen. Seitdem die USA vor über zehn Jahren ihre Grenzkontrollen verstärkt haben und mehr mexikanische Verbrecherbanden aktiv geworden sind, verlieren sich die Spuren illegaler Einwanderer zunehmend im Nichts.

Das Komitee der Angehörigen toter und verschwundener Migranten in El Salvador (Cofamide) hat mit Unterstützung der argentinischen Regierung und argentinischer Rechtsmediziner eine Gendatenbank mit Angaben zu den Vermissten gemacht. Die Datenbank sei sehr nützlich, da sie die Identifizierung erleichterte, sagte die Cofamide-Leiterin Lucy de Acevedo. "Damit wächst die Hoffnung der Familien, ihre Verwandten wiederzufinden. Über viele Fälle ist bisher kaum etwas bekannt."

Seit dem vergangenen Jahr hat die Organisation 143 Genproben gesammelt und in dem an Mexiko angrenzenden US-Bundesstaat Arizona analysieren lassen. Die Leichen von zwei Männern und zwei Frauen aus El Salvador konnten auf diese Weise identifiziert werden. Seit seiner Gründung 2006 hat das Komitee das Schicksal von 59 Personen geklärt.

Migranten von Polizei und Kriminellen attackiert

In dem Ort Pima in Arizona werden die sterblichen Überreste von 500 Zuwanderern aufbewahrt. Tausende Menschen aus Zentralamerika kommen jedes Jahr nach Mexiko, um auf eigene Faust oder mit Hilfe von Schleppern illegal in die USA zu gelangen. Auf dem Weg dorthin werden viele von ihnen beraubt, entführt oder misshandelt. Manche werden von mexikanischen Polizisten oder Gangstern umgebracht, die häufig zusammenarbeiten. Nach offiziellen Angaben gelangten im vergangenen Jahr mindestens 130.000 Zentralamerikaner über Mexiko in die Vereinigten Staaten und wurden von dort aus später abgeschoben.

Auch in Honduras sind bereits erste Schritte zur Einrichtung einer Gendatenbank für Migranten unternommen worden. Von etwa 100 Familien soll DNA-Material gesammelt werden, das mit den Daten aus Arizona abgeglichen wird. Das Vorhaben soll noch in diesem Monat Gestalt annehmen, wie die Koordinatorin der Honduranischen Pastoral für menschliche Mobilität, Lidia de Souza, erklärte. Die Organisation kooperiert mit der Vereinigung der Migrantenkomitees, dem Nationalen Forum für Migration und dem argentinischen Gerichtsmedizinerverband.

´Karawane´ von Müttern durch Mexiko

De Souza beteiligt sich zudem an einer Protestaktion von Müttern, die ihre verschwundenen Söhne suchen. Mit anderen Verwandten von Honduranern und Nicaraguanern, deren Spuren sich in Mexiko verloren haben, marschiert sie seit Ende Oktober von Zentralamerika aus durch neun mexikanische Bundesstaaten.

Seit die USA im Jahr 2000 ihre Grenzkontrollen verschärft haben und eine größere Zahl krimineller Banden in Mexiko ihr Unwesen treibt, sind zunehmend Migranten verschollen. Das mexikanische Außenministerium geht davon aus, dass an der Grenze zwischen Mexiko und den USA allein seit 2004 fast 3.000 Menschen ums Leben kamen. 955 Personen konnten noch nicht identifiziert werden

 

Autor: Emilio Godoy, deutsche Überarbeitung: Corina Kolbe, Quelle: IPS