Kuba |

"Frauen in Weiß" nehmen Sacharow-Preis entgegen

Fast acht Jahre ist es her, dass das Europaparlament die kubanische Bürgerrechtsbewegung "Frauen in Weiß" mit dem Sacharow-Preis für geistige Freiheit auszeichnete. Acht Jahre, in denen die Mitglieder der Organisation in ihrem Heimatland zahlreichen Repressionen und Demütigungen ausgesetzt waren. Bis heute konnte die Bewegung den Preis nicht in Empfang nehmen - die kubanischen Behörden hinderte sie an einer Ausreise. Auch ein Plan der Christdemokraten im Europaparlament, den Preis in Havanna zu überreichen, scheiterte.

Nun endlich hat die Sprecherin der "Frauen in Weiß", Berta Soler, am 23. April die Auszeichnung entgegen genommen. An der Zeremonie in Brüssel soll auch Europaparlamentspräsident Martin Schulz teilnehmen. Der mit 50.000 Euro dotierte Preis war im Oktober 2005 zu gleichen Teilen an die Kubanerinnen, die nigerianische Anwältin Hauwa Ibrahim und die Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen verliehen worden. Das Europaparlament ehrt mit der Auszeichnung Persönlichkeiten und Institutionen, die sich besonders für Menschenrechte, Minderheiten und geistige Freiheit einsetzen.

Die "Frauen in Weiß" (Damas de Blanco) sind ein Zusammenschluss kubanischer Frauen, deren Männer und Söhne wegen Eintretens für die Meinungs- und Pressefreiheit verhaftet wurden. Ihr Name basiert auf der weißen Kleidung, die sie als Zeichen ihres friedlichen Widerstands tragen. Gegründet wurde die Bewegung als Reaktion auf den kubanischen "Schwarzen Frühling" 2003, bei dem zahlreiche Regimekritiker festgenommen und zu langen Haftstrafen verurteilt wurden.

Seither protestieren die "Frauen in Weiß" regelmäßig öffentlich, um Auskünfte über das Schicksal ihrer Männer zu erlangen und die Freilassung politischer Häftlinge zu fordern. Auf Vermittlung der katholischen Kirche wurden in den vergangenen Monaten diverse politische Häftlinge freigelassen und ins Exil nach Spanien ausgeflogen.

Berta Soler gehört zu den ersten Regimekritikern, die Kuba seit der Lockerung der Ausreiseregeln Anfang des Jahres verlassen konnten. Seit Anfang März befindet sie sich auf Europa-Reise, um über die politische Lage auf Kuba zu berichten, um für Unterstützung zu werben - und um endlich die Auszeichnung des Europaparlaments entgegenzunehmen. Vor zwei Wochen besuchte sie auch Deutschland und traf unter anderen mit Außenminister Guido Westerwelle (FDP) zusammen.

Quelle: KNA