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Frankreich rüstet Brasilien auf

An kein anderes Land liefert Frankreichs Rüstungsindustrie derart viele Waffen wie an Brasilien. In den letzten fünf Jahren hat das südamerikanische Land für etwa 5,5 Milliarden Euro Waffen in Frankreich gekauft, darunter fünf U-Boote und 50 Kampfhubschrauber. Aber der größte Deal steht noch aus. Demnächst will Brasilien seine Flotte von Kampfflugzeugen modernisieren – am liebsten mit französischer Technologie.

Strategische Partnerschaft

Die enge Zusammenarbeit im Rüstungssektor zwischen den beiden Ländern ist Teil einer strategischen Partnerschaft, die Staatspräsident Luiz Inacio Lula da Silva und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy vor einigen Jahren eingeleitet hatten. Neben der engen Zusammenarbeit auf dem diplomatischen Parkett sieht diese auch massive Technologietransfers Frankreichs vor.

Nach den Rüstungsdeals der Jahre 2008 und 2009 war Brasilien von Platz Neun auf Platz Eins der französischen Waffenverkäufe gerückt. Dabei hat es traditionelle Käufer französischer Waffen wie Saudi-Arabien und Indien hinter sich gelassen. Alleine im Jahr 2009 kaufte Brasilien für 3,8 Milliarden Euro in Frankreich ein.

U-Boot für zwei Milliarden Euro

Damals verbrachten Sarkozy und seine Frau Carla Bruni ihren Urlaub an brasilianischen Stränden. Nebenbei wurde der Verkauf von fünf U-Booten der Scoperne-Klasse eingefädelt. Neben vier konventionellen U-Booten zum Stückpreis von 415 Millionen Euro orderte Brasilien auch ein nuklear betriebenes U-Boot für zwei Milliarden Euro. Auch 50 Hubschrauber vom Typ EC-725 wurden von Brasilia in Paris bestellt.

Teuerste Anschaffung steht noch aus

Doch die teuerste Anschaffung steht noch aus. Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres will Brasilia entschieden, ob man 36 Rafale Kampfflugzeuge von Frankreich kauft – zum Gesamtpreis von gut vier Milliarden Euro. Noch sind Schweden und die USA mit im Rennen um den lukrativen Auftrag. Doch obwohl sich Brasiliens Militärs bereits in einem internen Papier gegen den Kauf der umstrittenen Rafale-Jets ausgesprochen hatten, scheint die Regierung zu den französischen Jets zu tendieren.

Unabhängigkeit von den USA

Für Brasilien geht es bei der Zusammenarbeit mit Frankreich darum, sowohl auf dem diplomatischen Parkett wie im Rüstungsbereich möglichst unabhängig von den USA bleiben. Der Erwerb US-amerikanischer Waffensysteme würde hingegen auf lange Zeit eine technologische Abhängigkeit vom ungeliebten großen Bruder im Norden bedeuten.

Ganz auf die überlegene US-Waffentechnologie will Brasilien allerdings nicht verzichten. So hat man zehn Black Hawk Transporthubschrauber in den USA gekauft. Weitere zwölf Kampfhubschrauber bestellte Brasilien in Russland, während man aus Deutschland gebrauchte Kampfpanzer importierte.

International gewachsene Rolle festigen

Die massive Aufrüstung des brasilianischen Militärs soll der international gewachsenen Rolle des Landes dienen. So leitet Brasilien seit Jahren eine UN-Truppe auf Haiti, und in Zukunft soll das internationale Engagement noch wachsen. Ziel ist ein permanenter Sitz im UN-Sicherheitsrat, für dessen Erwerb man jedoch über eine entsprechende Feuerkraft verfügen zu müssen glaubt.

Autor: Thomas Milz