Mexiko, Guatemala |

Flüchtlingslager in Tenosique von Behörden aufgelöst

Die mexikanische Migrationsbehörde (INM) hat Anfang der Woche 70 guatemaltekische Flüchtlinge aus ihrem selbstverwalteten Flüchtlingslager in der Gemeinde Tenosique in eine Einrichtung der Behörde nach Tapachula gebracht. Die Bedingungen in dem Flüchtlingslager nahe der Grenze zu Guatemala seien miserabel und unhygienisch gewesen, weshalb sich die Behörden zu diesem Schritt entschlossen hätten, so die INM. Die Behörde wolle die Flüchtlinge zudem möglichst bald nach Guatemala abschieben. Menschenrechtsorganisationen übten scharfe Kritik am Vorgehen der Behörden. Viele Guatemalteken seien allerdings vor den Behördenvertretern geflohen, heißt es in Presseberichten.

Migrationsbehörde dementiert Gewaltanwendung

Die Flüchtlinge hätten sich geweigert, in die Busse zu steigen, woraufhin Gewalt angewendet worden sei. Bei der Aktion, an der Angehörige der Bundespolizei, der Staatsanwaltschaft, der Gemeindepolizei und der Migrationsbehörde beteiligt waren, seien Kinder festgenommen und in die Busse gesetzt worden, um so die Eltern dazu zu bringen, sich ebenfalls den Behörden zu stellen. Diese Darstellung wird von der INM dementiert. Man habe auf die inhumanen Bedingungen im Lager reagieren müssen, so die Behörde.

Insgesamt hatten sich vergangenen August rund 400 Vertriebene aus Guatemala in den Ort Nuevo Progreso (Gemeinde Tenosique) auf mexikanisches Staatsgebiet geflüchtet. Ihr Dorf Nueva Esperanza in Guatemala war zuvor ohne ausreichende Vorwarnung der Bewohner und ohne dass diesen alternative Unterkünfte zur Verfügung gestellt worden waren, von Polizei und Militär geräumt und niedergebrannt worden. Als Grund wurde deren Ansiedlung in einem Naturschutzgebiet genannt.

Widersprüchliches Agieren der Behörden

In einer Presseerklärung kritisieren mehrere Menschenrechtsorganisationen, darunter Centro Prodh, Movimiento Migrante Mesoamericano (MMM) und Centro de Derechos Humanos Usumacinta (CDHU), dass das Vorgehen der Behörden in völligem Widerspruch zu den erst vor wenigen Tagen erfolgreich fortgeführten Gesprächen zwischen Institutionen und Menschenrechtsorganisationen für eine humanitäre Lösung stehe. Außerdem werde der Versuch unternommen, soziale Organisationen zu kriminalisieren. So seien mehrere Menschenrechtsaktivisten am Tag der Behördenaktion unter dem Vorwurf des Menschenhandels verhaftet worden, darunter Fray Tomás González (CDHU).

Die Menschenrechtsorganisationen fordern in einer Erklärung, die Rückführung der Flüchtlinge zu stoppen. Diese hatten sich geweigert zurückzukehren, ohne dass sie zuvor ausreichend neues Land zur Ansiedlung erhalten, für das ihnen auch Rechtstitel übergeben werden. (bh)

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