Kolumbien, Kuba |

FARC: Waffenstillstand wird nicht verlängert

Die Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia (FARC) werden ihren Waffenstillstand nach dem 20. Januar nicht verlängern. Dies gab der Delegationsführer Ivane Marquez einen Tag vor der Wiederaufnahme der Friedensgespräche am 14. Januar mit der kolumbianischen Regierung bekannt. Die einzige Möglichkeit, dass die FARC ihre Kampfhandlungen weiterhin einstelle, sei eine beidseitige Waffenruhe, so Marquez. Das führende Mitglied der marxistisch orientierten Guerilla hatte den einseitigen Waffenstillstand zu Beginn der zweiten Runde der Friedensgespräche in Havanna am 19. November verkündet.

Der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos hatte bereits zu jenem Zeitpunkt deutlich gemacht, dass es eine Einstellung der Angriffe durch das Militär erst dann gäbe, wenn ein Friedenabkommen unterzeichnet sei. Die Regierung betonte außerdem, dass sie nicht darauf vertraue, dass die Rebellen ihr Versprechen halten würden. Das Militär hat in den vergangenen beiden Monaten zwei große Angriffe auf FARC-Camps durchgeführt, bei denen mindestens 34 Guerilleros ums Leben kamen. Die Regierung hatte der FARC ihrerseits mehrfach Angriffe auf Soldaten und Infrastruktur vorgeworfen.

Vor der Fortsetzung der Gespräche zwischen der Regierung und der linksgerichteten Guerilla-Organisation FARC hat Innenminister Fernando Carillo eine Zusammenarbeit mit dem nach dem ehemaligen US-Präsidenten Jimmy Carter benannten Institut für Menschenrechte ins Gespräch gebracht. Carter sei einer der wichtigsten internationalen "Apostel des Friedens", sagte Carillo am 13. Januar in Bogotá. Er könne als Berater bei der Einführung und Einhaltung neuer Menschenrechtsstandards dem Land auf seinem Weg zu einer friedlichen Zukunft helfen.

Unterdessen forderte der Verhandlungsführer der Regierung, Humberto de la Calle, mehr Dynamik in den Gesprächen. "Wir brauchen mehr Bewegung. Ich möchte, dass dies in der öffentlichen Meinung und bei der FARC ankommt", sagte der ehemalige Vizepräsident am Sonntag, 13. Januar. Nicht nur die Regierung, sondern alle Kolumbianer erwarteten Ergebnisse. Kolumbiens Unterhändler stellten in Aussicht, die FARC nach einer Einigung als politische Partei anzuerkennen. Der Dialog diene nicht dazu, den bewaffneten Konflikt im Lande zu verlängern, sondern zu beenden.

Die Guerilla und die Regierung Kolumbiens befinden sich momentan in der zweiten Runde von Friedensgesprächen, die im Oktober in Oslo begonnen haben. Derzeit wird über die für den Konflikt als ursächlich betrachtete Frage der Landverteilung in dem südamerikanischen Staat verhandelt. Die Gespräche sind der dritte Anlauf, die seit mehr als 60 Jahren andauernden bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen der FARC und der Regierung zu beenden.

Die FARC entstand 1964. Mit rund 9.200 Kämpferinnen und Kämpfern ist sie die größte lateinamerikanische Rebellenorganisation. Ihr werden schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Die Europäische Union stuft sie als Terror-Organisation ein. (aj/KNA)

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