Mexiko |

Experte fordert bessere Integration von Jugendlichen

Anlässlich des Internationalen Tages der Jugend forderte das staatliche Jugendinstitut, Alkoholkonsum künftig erst ab 21 Jahren zu erlauben. Ein Nebenschauplatz, wie Experte Roberto García von der UNAM erklärt. Vor allem die unzureichende gesellschaftliche Integration der Jugend sei problematisch.

Am 12. August wird jedes Jahr der „Inernationale Tag der Jugend“ begangen. Ein nicht unwichtiges Datum für einen Kontinent, in dem 26 Prozent der Bevölkerung zwischen 15 und 29 Jahre alt sind. Das staatliche mexikanische Institut für Jugend (Imjuve) präsentierte aus diesem Anlass vor den Kongressabgeordneten eine Initiative, um das Alter für den legalen Alkoholkonsum von 18 auf 21 Jahre hinaufzusetzen.

Damit könnten Jugendliche besser vor den negativen Folgen dieser Droge geschützt werden. Laut Institutsleiter Miguel Ángel Carreón ist sie der wichtigste Faktor für tödliche Unfälle. Rund 25.000 Jugendliche sterben jedes Jahr bei Autounfällen, bei denen Alkohol im Spiel war. Zudem habe der Alkoholkonsum bei jugendlichen Frauen durch so genannte „Ladies free“ und „Ladies Night-Angebote“ in den letzten fünf Jahren von 32 auf 46 Prozent zugenommen.

Zu wenig gesellschaftliche Teilhabe von Jugendlichen

Aber dies allein dürfte nicht reichen, um die Situation der Jugendlichen in Mexiko zu verbessern. In den vergangenen Wochen haben Jugendliche bei Protestaktionen höhere Zulassungszahlen für die staatlichen Universitäten gefordert. Fast 90 Prozent der Studienbewerber seien nach der letzten Runde des Bewerbungsverfahrens an staatlichen Institutionen nach Hause geschickt worden, berichtet das auf Menschenrechte spezialisierte mexikanische Portal Sididh. Zudem gibt es nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in Lateinamerika rund sieben Millionen arbeitslose Jugendliche – 21 Prozent davon, rund 1,5 Millionen, sind Mexikaner.

Etwa ein Viertel der insgesamt rund 112 Millionen Einwohner des Landes, knapp 30 Millionen Mexikaner, sind laut Daten der Statistikbehörde (Inegi) Jugendliche. Vier von zehn Einwohnern dieser jungen Bevölkerungsgruppe sind zwischen 15 und 19 Jahre alt, so Sididh. Für deren Teilhabe an der Gesellschaft werde jedoch viel zu wenig getan, kritisierte Roberto García Salgado, Dozent an der Nationalen Schule für Sozialarbeit der Autonomen Universität (UNAM) anlässlich des Welttages der Jugend gegenüber Pressevertretern. Das größte Problem öffentlicher Einrichtungen die mit Jugendlichen zu tun hätten sei es, dass es einheitliche Jugendpolitik fehle, die eine Partizipation junger Leute zum Ziel habe.

Experte warnt vor Kriminalität und Kriminalisierung

Zudem seien Jugendliche häufig zur öffentlichen Sicherheit gleichzeitig Opfer und Täter von Gewaltakten. Unsicherheit im öffentlichen Raum, Gewalt, Unsicherheit in Bezug auf das künftige eigene Arbeitsleben, Drogenhandel, Armut und Korruption bereiten mexikanischen Jugendlichen die größten Sorgen. Laut einer Umfrage zur Wahrnehmung der öffentlichen Sicherheit im Jahr 2011 (ENVIPE 2011) fühlen sich 62 Prozent der Jugendlichen auf den Straßen und in öffentlichen Verkehrsmitteln unsicher. Sie haben vor allem Angst, überfallen zu werden.

García warnt zudem vor einer Kriminalisierung der Jugend. Jugendliche „leben in einer Situation struktureller Aggressionen seitens des Staates“, so der Experte. Allerdings seien einige Jugendliche aufgrund der Gegend, in der sie leben und ihrer ökonomischen Bedingungen in „Tötungen oder Verbrechen der organisierten Kriminalität involviert“. Man könne angesichts der Gesamtsituation sagen, dass dieses Agieren zu einer „Form des Überlebens“ werden könne, zitiert Sididh den Psychologen.

Positiver Umgang mit der Jugend

Deshalb sei es wichtig zu vermeiden, dass derartige Strategien in bestimmten Bereichen der Gesellschaft um sich greifen, warnt García. Vor den Jugendlichen liege die Herausforderung, ihr Lebensalter „nicht als eine kritische Phase im Leben anzusehen, sondern als eine wechselvolle soziale Phase zu begreifen, in der sie selbst zur Lösung ihrer Probleme beitragen können.“

Mit der im Zuge der Präsidentschaftswahlen entstandenen Bewegung #Yosoy132# scheinen die Jugendlichen diesbezüglich einen ersten Schritt bereits getan zu haben.

Autorin: Bettina Hoyer

Jugendliche aus Ciudad de México, Iztapalapa / Jesús Villaseca Pérez (Latitudes Press), Flickr.