Argentinien, Chile |

Ex-Militär Alfredo Astiz wird nicht ausgeliefert

Mit allen juristischen Mitteln arbeiten Chiles und Argentiniens Justizbehörden die Vergangenheit der Militärdiktaturen auf. Am Mittwoch lehnte das Oberste Gericht in Buenos Aires ein Auslieferungsantrag Frankreichs ab, berichtet die argentinische Tageszeitung »La Nacion«. Ex-Marine-General Alfredo Astiz war in Übersee wegen der Entführung der französischen Ordensfrauen Leónie Duquet und Alice Domon in Abwesenheit zu einer lebenslangen Haft verurteilt worden.

In Argentinien ist Astiz für den laufenden ESMA-Folterzentrum-Prozess ein wichtiger Zeuge. Die beiden französischen Ordensschwestern Duquet und Domon waren in der berüchtigten Militärschule ESMA gefoltert und dann in sogenannten Todesflügen von Militärs über dem Ozean abgeworfen worden.

Bereits am Dienstag hatte Chile den argentinischen Ex-Militär Alejandro Duret nach Argentinien ausgeliefert. Während der Militärdiktatur war Duret für die Entführung und Folter des Linksoppositionellen Carlos Labolita verantwortlich, einem Jugendfreund der heutigen Präsidentin Fernanda Kirchner und ihrem verstorbenen Gatten Néstor Kirchner. Einen Tag nach seiner Verurteilung zu 15 Jahren Haft wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit war Duret im September 2010 nach Chile geflohen.

Die Auslieferung steht im engen Zusammenhang mit einem geplanten Gefangenenaustausch zwischen beiden Ländern. So soll der ins chilenische Exil geflüchtete Richter Otilio Romano, dem wegen seiner Arbeit als Staatsanwalt der Militärdiktatur der Prozess droht, gegen den chilenischen Ex-Guerillero Sergio Galvarino Apablazo ausgetauscht werden. Der politische Flüchtling Apablazo ist in seinem Heimatland wegen der Ermordung des Gründers der Rechtspartei »Unabhängige Demokratische Union« (UDI) Jaime Guzmán im Jahr 1991 angeklagt sowie für die Entführung von Christian Edwards, Sohn der Eigentümer von Chiles Tageszeitung »El Mercurio«. (bb)

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