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EU-Stachel trifft Imker

Es ist schwieriger, Honig aus Uruguay zu exportieren, seitdem die Europäische Union beschloss, Honig, der Pollen aus genetisch veränderten Pflanzen enthält, nicht mehr auf den gemeinsamen Markt zu lassen. Ein ehedem unbestrittenes Naturprodukt wirft Fragen auf.

Ende 2008 erlitt Uruguays Bienenwirtschaft einen herben Schlag. Eine Heuschrecken-Plage konnte sich auch deshalb ausbreiten, da die riesigen Monokulturen von genetisch verändertem Soja sich als Beschleuniger erwiesen. Auf Anweisung des Landwirtschaftsministeriums wurde die Plage mit dem hochgiftigen Insektizid Fipronil bekämpft, das weltweit als äußerst gefährlich für Bienen gilt. So war es nicht erstaunlich, dass uruguayische Medien kurz darauf von einem Bienen-Massensterben berichteten. Was anfänglich in einem Departamento begonnen hatte, verbreitete sich über weite Teile Uruguays – Tausende Bienenstöcke gingen ein.

EU-Stachel trifft uruguayische Imker

Während einige Bienenzüchter die Imkerei an den Nagel hängten, ließen andere sich nicht beirren und erzielten auch bald wieder gute Honigernten.

In diesem Jahr allerdings haben Uruguays Imker es mit einer noch dramatischeren Bedrohung zu tun, zumal diese von Dauer sein dürfte. Deutsche Bienenzüchter waren mit ihrer Forderung an die Adresse der EU erfolgreich, Brüssel möge den Import von Honig aus Uruguay verbieten, da dieser Pollen aus genetisch veränderten Pflanzen enthalte. Der Status eines Naturprodukts müsse entzogen werden, da in mehreren Proben in Europa verkauften Honigs aus Uruguay entsprechende Spuren gefunden worden seien.

Schätzungen zufolge belaufen sich die Verluste infolge des Einfuhrverbots in die EU in diesem Jahr bislang auf umgerechnet über 20 Mio. US-Dollar.

Genmanipulierte Pflanzen bedrohen indirekt Bienenzucht

Wegen des Vormarschs genetisch veränderter Pflanzen auch in Uruguay spitzt sich die Lage für die einheimische Bienenwirtschaft zu. Transgenisches Soja wird bereits auf einer Fläche von über 10.000 Quadratkilometern angebaut (bei einer Landesfläche von 176.000 km²). Im vergangenen Juni erhielten allein fünf neue transgenische Maissorten die Zulassung – was die Gefahr noch erhöht, dass Honig mit Pollen aus genmanipulierten Pflanzen verunreinigt wird.

Die Bienen lassen sich dort nieder, wo sie Nahrung finden, sie unterscheiden nicht zwischen naturwüchsigen und genetisch veränderten Pflanzen. Die EU dagegen unterscheidet sehr wohl – zum Leidwesen von Uruguays Imkern.

Gefahr der Verunreinigung naturwüchsiger Pflanzen

Ein Reinheitsgebot ist allein schon deshalb schwierig, da Bienen sich nicht von einer einzigen Pflanzenart, etwa dem umstrittenen Soja, ernähren. Eine Untersuchung ergab, dass Bienen, die inmitten eines riesigen Sojafeldes lebten, die einseitige Kost verschmähten und bis zu sechs Kilometern flogen, um für Abwechslung zu sorgen.

Umgekehrt bedeutet dies allerdings auch, dass eine Biene zum Beispiel nicht genetisch manipulierten Mais in einem größeren Umkreis verunreinigen kann. Der gesetzlich festgelegte Abstand zwischen herkömmlichen und transgenischen Maiskulturen zwecks Vermeidung einer gegenseitigen Kontaminierung beträgt dagegen lediglich 250 Meter.

María Isabel Cárcamo / RAP-AL in: Adital, deutsche Bearbeitung: Bernd Stößel