Argentinien |

Esquivel wirft Staat Missachtung indigener Rechte vor

Der Friedensnobelpreisträger Pérez Esquivel hat in einem Interview mit dem „Observatorio de Derechos Humanos de Pueblas Indígenas“ (ODHPI), Observatorium für die Menschenrechte Indigener Völker, dem argentinischen Staat vorgeworfen, sich von den Menschenrechten zu entfernen und die Rechte indigener Völker nicht anzuerkennen.

Anlass zu dieser Äußerung war unter anderem der „Unfall“ von Félix Díaz, Anführer der indigenen Bevölkerung in Formosa, vergangene Woche, der auf seinem Motorrad von einem Auto gerammt wurde. Díaz hatte sich in der Vergangenheit stellvertretend für sein Volk der Qom immer wieder für die Rechte und das Eigentum der indigenen Völker in Argentinien eingesetzt. „Es ist schlimm, was in Formosa passiert“, kommentierte Esquivel den vermeintlichen Unfall. „Das ist eine feudale Regierung, die jeden bedroht der für seine Rechte eintritt.“ Auch in anderen Teilen des Landes, so z.B. in Salta und Neuquen, würden die Landesregierungen machen, was sie wollen. Der Nobelpreisträger verweist in diesem Zusammenhang auf das nationale Institut für indigene Rechtsangelegenheiten (Instituto Nacional de Asuntos Indígenas), das nicht zusammen mit den indigenen Völkern arbeite, sondern nur die Interessen der Regierungen vertrete. „Es tut mir Leid zu sagen“, ergänzt Esquivel, „dass ich keine Hoffnung mehr habe, dass diese Regierung mit den indigenen Völkern und Bauern zusammen kommen wird.“

Auf die Frage, warum andere argentinische Menschenrechtsorganisationen gegen solch ein Handeln nichts tun würden, antwortete Esquivel mit zwei Erklärungen: „Viele Organisationen kommen aus der Zeit der Diktatur und haben die Verurteilung der dort geschehenen Menschrechtsverbrechen als Hauptziel - was ich nicht als Kritik meine. Und es gibt andere Organisationen“, fügte er hinzu, „die die Verletzungen der Menschenrechte nicht aufdecken, da sie mit der Regierung zusammen arbeiten und staatliche Gelder erhalten.“ Esquivel und seine Mitstreiter würden aber weiterhin gegen Menschenrechtsverbrechungen vorgehen und diese aufdecken, um ein besseres Land für alle und Respekt für die Menschenrechte zu erlangen. „Und immer, seit Jahrzehnten, sind wir auf der Seite der Leidenden. In diesem Fall stehen wir an der Seite des Volkes Qom.“ (hs)