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Erschieüungen durch Polizei bei Einsatz in Rio

Das Netzwerk gegen Gewalt hat das Vorgehen der Polizei bei ihrem Einsatz gegen den Drogenhandel in Armenviertel von Rio de Janerio scharf verurteilt. Bei dem Großeinsatz, der seit dem 25. November andauert, sind nach offiziellen Angaben der Polizei vom 29. November 37 Menschen ums Leben gekommen. Es habe 118 Verhaftungen gegeben, 130 Personen seien zur Überprüfung in Untersuchungshaft genommen worden.

Während Massenmedien und die Mehrheit der Gesellschaft den Einsatz von Militär und Polizei gegen den Drogenhandel in Rio de Janeiro befürworten, erlebten jedoch Hunderte Menschen seit der Aktion pure Gewalt, Diskriminierung und müssten um ihr Leben fürchten, so das Netzwerk. Die Suche nach Drogenhändlern, Razzien und Schüsse hätten die Orte in regelrechtes Kriegsgebiet verwandelt, beklagt die Organisation. Das Netzwerk ruft internationale Medien dazu auf, die Aktion aufmerksam zu verfolgen.

Zeugen berichten von Erschießungen durch Polizei

Nach Angaben der Organisation seien bei dem Einsatz in der Gemeinde Jacarezinho am 25. November acht Menschen getötet worden, es habe jedoch fast keine Verhaftungen gegeben. "In zwei Fällen haben Zeugen von Erschießungen berichtet. In einem der Fälle hat sich ein Polizist einem verhafteten Jugendlichen genähert und voller Hohn gesagt: ,Wenn deine Hand nach Marihuana riecht, bringe ich dich um´. Dann hat der Polizist an der Hand des Jungen gerochen und ihn anschließend mit mehreren Schüssen ermordet’. Natürlich wollten die Zeugen sich nicht zu erkennen geben. Doch die Autopsie des Opfers wird zeigen, ob das Opfer durch Schüsse aus nächster Nähe umgebracht worden ist“, erklärt die Organisation.

Plünderungen bei Polizei-Razzien

Die Gegenwart von nationalen und internationalen Pressevertretern in einigen Gemeinden, wie etwa im Complejo del Alemán, verhindere gewaltsame Übergriffe zwar am Tag. Doch in anderen Orten, wie Jacarezinho, wo sogar Wasser, Telefon und Elektrizität abgestellt worden sind, sei die Lage völlig anders. Nach Aussagen von Bewohnern plündere die Polizei bei ihrer Suche nach Drogenhändlern die Häuser der Einwohner.

Politisch gewollte Diskriminierung

Isabel Cristina Ferreira, Mitglied des Netzwerks gegen Gewalt, kritisierte die Menschenrechtsverletzungen und Kriminalisierung der armen und zumeist schwarzen Bevölkerung: „Ich habe nie soviel Gesetzlosigkeit in diesem Land gesehen“, so die Menschenrechtsaktivistin. Die Diskriminierung und Kriminalisierung der Bevölkerung in diesen Vierteln sei erschreckend und politisch gewollt. In den Massenmedien würden nur Menschen gezeigt, die diesen Zustand gutheißen. Die Gesellschaft müsse sich wandeln, so Ferreira, „Doch wie könnten wir Gouverneur Cabral oder Präsident Lula und all diese Leute umerziehen, die darüber entscheide, wie derartige Polizeieinsätze aussehen?“, äußert die Aktivistin ihre Zweifel. (bh)

Quelle: Adital