Kolumbien |

ELN-Guerilla bekennt sich zu Bombenanschlag

Wandmalerei gegen Gewalt in Bogotá, Kolumbien. Foto: Adveniat/Jürgen Escher

Wandmalerei gegen Gewalt in Bogotá, Kolumbien. Foto: Adveniat/Jürgen Escher

Die marxistische Guerillaorganisation ELN hat sich zu dem Bombenanschlag auf eine Polizeischule in der kolumbianischen Hauptstadt Bogota bekannt. Dabei waren am Donnerstag 21 Menschen getötet und 80 verletzt worden.

In einer auf der ELN-Internetseite veröffentlichten Erklärung, aus der kolumbianische Medien am Montagmorgen zitierten, hieß es, der Anschlag sei eine Reaktion auf das repressive Vorgehen der Armee. Kolumbiens Präsident Ivan Duque sei nicht auf eine "Geste des Friedens" eingegangen und habe während des einseitig von der ELN verkündeten Waffenstillstands an Weihnachten Militäraktionen durchgeführt, so die Rebellen. Zugleich signalisierten sie weiterhin Verhandlungsbereitschaft. Präsident Duque hatte als Reaktion auf den Anschlag die ohnehin ins Stocken geratenen Friedensgespräche abgebrochen und Kuba, das Gastgeberland der Verhandlungen, aufgefordert, die ELN-Kommandanten auszuliefern. Kuba lehnt dies jedoch ab.

Ein Mann hatte am Donnerstag auf dem Gelände einer Polizeiakademie in Bogota einen mit Sprengstoff gefüllten Transporter zur Detonation gebracht, als dort gerade eine Zeremonie zur Ehrung von Offizieren und Kadetten stattfand. Die Ermittler identifizierten den Täter, der bei dem Anschlag ums Leben kam, als Mitglied der ELN. Es war der schwerste Terroranschlag seit Unterzeichnung einen Abkommens zwischen ihr und der Regierung. Ein verhafteter Verdächtigter bestreitet dagegen seine Mitschuld. 

Vatikan und kolumbianische Bischofskonferenz verurteilen die Gewalt

In einem am Freitag vom Vatikan veröffentlichten Beileidsschreiben verurteilte Papst Franziskus die "unmenschliche Tat". Das Kirchenoberhaupt bete für alle Opfer und Verletzten sowie für deren Angehörige und die ganze kolumbianische Gesellschaft, heißt es in dem Kondolenzschreiben, das von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin unterzeichnet ist. Auch die Kolumbianische Bischofskonferenz verurteilte die Tat. "Wir lehnen jede Form von Terrorismus und Gewalt ab. Wir trauern und bemühen uns weiter um Frieden durch Dialog, Versöhnung und soziale Gerechtigkeit", zitiert der vatikanische Pressedienst Fides den Bischofskonferenzvorsitzenden, Erzbischof Oscar Urbina Ortega. "Mit Gewalt und terroristischen Aktionen wird nichts erreicht", betonte auch Elkin Fernando Alvarez Botero, Generalsekretär der Bischofskonferenz, und rief zum Gebet für die Opfer auf. Er bat alle Kolumbianer, "sich mit der nationalen Polizei und dem ganzen Land solidarisch zu erklären". Die Kirche rufe dazu auf, sich in einem gemeinsamen Friedensprojekt für das Land zusammenzuschließen und den Terrorismus zu bekämpfen. Gewalt sei keine Lösung, so der Weihbischof in Medellin.

Kirche als Vermittler?

Auf die kolumbianische Kirche könnte nun die Aufgabe zukommen, in der völlig verfahrenen Situation zu vermitteln. Die ELN hat aufgrund ihrer katholischen Wurzeln traditionell eine Nähe zur Kirche. Bei Geiselfreilassungen fungieren immer wieder katholische Geistliche als Vermittler. Eine Schlüsselrolle kommt dabei dem Erzbischof von Cali, Dario de Jesus Monsalve, zu. Ihm werden gute Kontakte zur Guerilla nachgesagt. Wie die gesamte Bischofskonferenz rief Monsalve bereits in den vergangenen Wochen dazu auf, den Gesprächsfaden nicht abreißen zu lassen, obwohl die Guerilla immer wieder mit neuen Entführungen und Gewalttaten provozierte. "Es ist nun der Zeitpunkt sich solidarisch mit den Familien zu zeigen", sagte Monsalve, der allerdings eine direkte Schuldzuweisung vermied. Zuletzt hatte er auch auf die anhaltende Gewalt gegen soziale Aktivisten und Menschenrechtler hingewiesen.

Die Friedensgespräche mit der ELN-Guerilla in Havanna sind derzeit ohnehin ausgesetzt. Kolumbiens Regierung will sie erst fortsetzen, wenn die ELN entführte Geiseln freilässt und kriminelle Aktivitäten einstellt. Die Gespräche folgen dem Muster der 2016 erfolgreich zu Ende geführten mehrjährigen Verhandlungen mit der größten Guerillagruppe, der FARC, die sich inzwischen entwaffnet hat und als Partei weiter existiert. Auch sie distanzierte sich von der Gewalttat, die weitere Friedensgespräche gefährde.
 

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